Neu­er Knall in Nier­stein: Gün­thers pri­va­te Chi­na-Fir­ma ent­deckt

Heu­te wol­len wir uns noch ein­mal im Oppen­hei­mer Nach­bar­städt­chen Nier­stein umschau­en. Vor eini­ger Zeit hat­ten wir uns den hei­li­gen Zorn des dor­ti­gen Stadt­bür­ger­meis­ters zuge­zo­gen: Tho­mas Gün­ther hat­te sich damit gebrüs­tet, chi­ne­si­sche Fir­men in sein Städt­chen geholt zu haben – und wir hat­ten uns erdreis­tet, das kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Seit­her ist viel Was­ser durch den Rhein geflos­sen, und der Mann tönt wie­der über­all her­um, sei­ne Chi­na-Rei­se zei­ge groß­ar­ti­ge wirt­schaft­li­che Erfol­ge. Grund genug, genau­er hin­zu­schau­en – und das fan­den wir dies­mal her­aus: CDU-Mann Gün­ther hat mit einer eige­nen Fir­ma begon­nen, selbst im Chi­na-Geschäft mit­zu­mi­schen. An sei­ner Sei­te: Ex-SPD-Land­rat Claus Schick.

Nier­stein — Orts­schild.

War­um der Stadt­bür­ger­meis­ter einen cho­le­ri­schen Anfall krieg­te

Begin­nen wir, frei nach Hein­rich Hei­ne, mit Erin­ne­run­gen aus Nier­stei­ner Schre­ckens­ta­gen: Tho­mas Gün­ther läuft, wenn Räso­neu­re sei­nen Weg kreu­zen, bekannt­lich schnell zur Höchst­form auf. Der CDU-Stadt­bür­ger­meis­ter droht dann nicht, wie wei­land der Dich­ter, mit Füsi­lie­rung, sein Ding scheint eher die Dif­fa­mie­rung zu sein: „Lüge“ schleu­dert er Kri­ti­kas­tern ent­ge­gen, auch „ver­dre­hen“, „umdre­hen“, „falsch dar­stel­len“. Und dazu noch „unsach­lich“, „geschäfts­schä­di­gend“, „per­sön­lich dif­fa­mie­rend“.

Mit solch bra­chia­ler Anma­che soll, die Tak­tik ist bekannt, jeder Ansatz von Kri­tik schon im Keim erstickt wer­den. Da schwingt sich einer auf wie ein Goril­la im tiefs­ten Urwald, breit­brust­ig trom­melnd: Ich hab’ recht! Ich! Ich! Ich!

Tho­mas Gün­ther in Action: In einem Bericht auf die­ser Web­sei­te hat­ten wir sei­ne voll­mun­di­gen Ankün­di­gun­gen zu hin­ter­fra­gen gewagt. Mit Hil­fe einer Chi­ne­sin, die in Nier­stein ein Restau­rant betreibt, hat­te er eine Chi­na-Rei­se unter­nom­men, auf der er – so ließ er hin­ter­her die Lokal­zei­tung berich­ten – die Mana­ger gro­ßer Kon­zer­ne getrof­fen habe, die in Nier­stein inves­tie­ren woll­ten.

Da wird man schon mal ungläu­big stau­nen dür­fen – in Rhein­land-Pfalz Lew­ent­z­scher Prä­gung zumal: Ein klei­ner rhein­hes­si­scher Lokal­po­li­ti­ker akqui­riert auf die Schnel­le ein paar Chi­na-Fir­men, sie­delt sie vor­geb­lich in sei­ner Klein­stadt an und lässt auf die­se Wei­se allent­hal­ben die Hoff­nung auf neu­en Wohl­stand und Reich­tum erblü­hen…

Zwei­fel kamen auf, weil die Lokal­zei­tung die Fir­men­na­men stän­dig anders schrieb. Auch tat es der Glaub­wür­dig­keit der Gün­ther­schen Erzäh­lun­gen nicht son­der­lich gut, als wir her­aus­fan­den: Die chi­ne­si­schen GmbHs, die angeb­lich schon Nie­der­las­sun­gen in Nier­stein gegrün­det hat­ten, waren im Han­dels­re­gis­ter nicht auf­find­bar, muss­ten mit­hin als nicht exis­tent gel­ten.

Der CDU-Stadt­bür­ger­meis­ter fühl­te sich von der­lei Recher­che-Ergeb­nis­sen, die wir im Bericht „Knall in Nier­stein: Wo sind nur die Chi­na-Fir­men?“ publi­zier­ten, per­sön­lich ange­fasst. Ihn anzwei­feln? Geht gar nicht! Da greift er an. Und macht den Affen.

Er schal­te­te umge­hend einen Anwalt ein. Der erwirk­te aller­dings kei­ne Unter­las­sung, was bei erwie­se­ner Falsch­be­richt­erstat­tung eine nor­ma­le Reak­ti­on wäre. Nein, der Anwalt des Stadt­bür­ger­meis­ters – einer aus der Kanz­lei von Franz-Peter Gal­lois, der wie Gün­ther für die CDU als Kom­mu­nal­po­li­ti­ker unter­wegs ist – prüf­te unse­ren Text sehr inten­siv (ver­mu­ten wir) und schrieb sodann hand­zahm, der Text lese sich, frei über­setzt, gar nicht nett. Wie man den armen Tho­mas Gün­ther nur so behan­deln kön­ne! Man möge sich bit­te bei ihm ent­schul­di­gen, der Mann lei­de schließ­lich!

Der­weil trak­tier­te Gün­ther sei­ne Whats­App-Grup­pe mit einem sei­ner cho­le­risch anmu­ten­den Anfäl­le. Wir zitie­ren aus einer sei­ner Rund­mails:

Ruhmöl­ler ver­dreht die gan­ze Sache und ver­sucht mit Unwahr­hei­ten wie­der ein­mal Schmutz zu wer­fen. Auf ande­re Unter­stel­lun­gen des Berich­tes gehe ich gar nicht ein, weil hier nur das bekann­te Ziel ver­folgt wird, wei­ter zu beschmut­zen.

Unwahr­hei­ten? Schmutz wer­fen? Dann schau­en wir noch ein­mal kurz auf die Fak­ten:

Am 28. Sep­tem­ber 2017 hat­te die „All­ge­mei­ne Zei­tung Lands­kro­ne“ berich­tet, dass „zwei gera­de neu gegrün­de­te Deutsch­land-Nie­der­las­sun­gen“ in Nier­stein inves­tie­ren woll­ten. Es han­de­le sich um die Toch­ter­un­ter­neh­men chi­ne­si­scher Kon­zer­ne; das Lokal­blatt schrieb wört­lich: „Gün­ther ver­spricht sich von den Ansied­lun­gen natür­lich Gewer­be­steu­er­ein­nah­men, ‚das ist ein wich­ti­ger Wirt­schafts­fak­tor für unse­re Stadt’. Die Fir­men woll­ten einen Teil ihrer Mit­ar­bei­ter aus Chi­na mit­brin­gen, aber auch Arbeits­plät­ze für ein­hei­mi­sche Arbeit­neh­mer schaf­fen.“

In dem Arti­kel heißt es auch, eine „Dele­ga­ti­on der Stadt Nier­stein“ pla­ne eine Chi­na-Rei­se, um Wirt­schafts­kon­tak­te auf­zu­bau­en und zu ver­tie­fen. So geschah es auch: Im Okto­ber 2017 flog Tho­mas Gün­ther für zehn Tage nach Asi­en; beglei­tet wur­de er unter ande­rem von Ex-SPD-Land­rat Claus Schick sowie Pierre Boos, dem Geschäfts­füh­rer der Wein- und Sekt­kel­le­rei Jakob Ger­hardt.

Am 7. Novem­ber 2017, nach sei­ner Rück­kehr, ließ der Stadt­bür­ger­meis­ter Gün­ther über die Zei­tung ver­brei­ten, dass der Trip durch das Reich der Mit­te ein vol­ler Erfolg gewe­sen sei: Die chi­ne­si­schen Fir­men hät­ten „bereits Nie­der­las­sun­gen in Nier­stein gegrün­det, ‚das ist nota­ri­ell unter Dach und Fach’, so Gün­ther“.

Am 15. Novem­ber 2017 ent­hüll­ten wir auf die­ser Web­sei­te, dass bei­de Fir­men beim Han­dels­re­gis­ter nicht bekannt sei­en. Wor­auf­hin Gün­ther früh­mor­gens besag­te Whats­App-SMS ver­schick­te, die so begann:

Ach der Ruhmöl­ler. Er behaup­tet stän­dig etwas, was lei­der nicht der Wahr­heit ent­spricht. Das ein­zi­ge was er kann, ist Sach­ver­hal­te umzu­dre­hen und falsch dar­zu­stel­len.”

Am 24. Novem­ber 2017 beka­men wir Post von Gün­thers Anwalt. Der Jurist schrieb auf zwei­ein­halb DinA-4-Sei­ten viel nichts­sa­gen­des Zeug, bestä­tig­te aber aus­drück­lich, dass die chi­ne­si­schen Fir­men noch nicht beim Amts­ge­richt regis­triert sei­en:

Die Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter kann und wird also in Kür­ze vor­ge­nom­men wer­den.”

Tat­säch­lich ging plötz­lich alles ganz schnell: Zwei Tage nach unse­rem Bericht wur­de das Stamm­ka­pi­tal für die bei­den Fir­men ein­ge­zahlt. Mit der übli­chen Ver­spä­tung schrieb dann das Lokal­blatt am 28. Novem­ber 2017: Das Stamm­ka­pi­tal der bei­den chi­ne­si­schen Fir­men sei laut Nier­steins Stadt­bür­ger­meis­ter ein­ge­gan­gen. „Des­halb ste­he nun auch der vom Notar beim Amts­ge­richt zu bean­tra­gen­den Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter nichts mehr im Weg“.

Womit wir das schon mal geklärt hät­ten: Gün­thers Chi­na-Fir­men dürf­ten tat­säch­lich in Nier­stein ange­kom­men sein!

Dann müss­te es ja bald los­ge­hen: Neue Jobs! Neue Steu­er­ein­nah­men! Chi­na goes Nier­stein – der Auf­schwung kann kom­men!

Gut hun­dert Tages sind seit unse­rem ers­ten Bericht ver­gan­gen. Schau­en wir ein­fach mal nach, was sich seit­her getan hat.

Nier­stei­ner Leben: Behü­te mich Gott vor mei­nen Freun­den…

Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis von Tho­mas Gün­ther und auch zur Ein­ord­nung sei­ner Per­sön­lich­keit müs­sen wir an die­ser Stel­le einen schnel­len Sidestep machen, der die Ein­bet­tung Gün­thers in den Oppen­heim Skan­dal vor Augen führt:

In den letz­ten Mona­ten hat­te sich Nier­steins CDU-Stadt­bür­ger­meis­ter in schier unver­brüch­li­cher Treue hin­ter Mar­cus Held gestellt. Was auch immer auf die­ser Web­sei­te an neu­en dubio­sen Amts­ge­schäf­ten des Oppen­hei­mer SPD-Stadt­bür­ger­meis­ters ent­hüllt wur­de: Es mute­te nahe­zu ver­hal­tens­auf­fäl­lig an, wie eng sich Gün­ther an Helds Sei­te dräng­te.

Auch nach­dem der Lan­des­rech­nungs­hof unse­re Berich­te voll­auf bestä­tigt und wei­te­re rechts­wid­ri­ge Geschäf­te der Oppen­hei­mer Stadt­füh­rung auf­ge­deckt hat­te: Gün­ther & Held waren, so sagt man, wie ein „Kopp un Arsch“. Zwei, die neben­ein­an­der im Gleich­schritt mar­schier­ten. Bes­te Bud­dys über tren­nen­de Par­tei­gren­zen hin­weg, die sich blind­lings ver­stan­den.

Selbst als die Staats­an­walt­schaft immer mehr Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen Held ein­lei­te­te, dröhn­te Gün­ther: Auch für Held gel­te die Unschulds­ver­mu­tung. Rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten, gar straf­recht­lich rele­van­te Vor­gän­ge im Oppen­hei­mer Rat­haus? Das müs­se erst ein­mal nach­ge­wie­sen wer­den! Und, bitt­schön, der bös­ar­ti­ge Whist­leb­lo­wer müs­se end­lich zur Ver­ant­wor­tung gezo­gen wer­den.

Es schien, als schnü­re Gün­ther und Held ein unsicht­ba­res Band ganz eng zusam­men.

Der Schul­ter­schluss zwi­schen den bei­den Lokal­po­li­ti­kern, die sich in der poli­ti­schen Cou­leur unter­schei­den mögen, in ihrem rabau­zi­gen Auf­tre­ten aller­dings wie ein­ei­ige Zwil­lin­ge glei­chen, war eine Dau­er-Pro­vo­ka­ti­on für alle Christ­de­mo­kra­ten der Regi­on. Ein Bei­spiel aus jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit: Gün­ther ging Anfang die­ses Jah­res nicht zum alter­na­ti­ven Neu­jahrs­emp­fang sei­ner Par­tei­freun­de in Oppen­heim – er zeig­te sich lie­ber Seit’ an Seit’ mit sei­nem skan­dalum­tos­ten Amts­bru­der bei des­sen städ­ti­schen Neu­jahrs­emp­fang in der Lands­kron­hal­le. Hier schlürf­te er den Gra­tis-Wein, den ihm sein Freund Mag­gus ein­schenk­te, und er soll begeis­tert mit­ge­johlt haben, als Ex-Land­rat Claus Schick (SPD) die Medi­en­kri­tik an Held als „Pogro­me“ bezeich­ne­te.

Erst als Mar­cus Held von der eige­nen Par­tei fal­len­ge­las­sen wur­de, weil er bei Immo­bi­li­en­ge­schäf­ten in die eige­ne Tasche gewirt­schaf­tet hat­te, da muss Gün­ther geahnt haben, dass er vom Sog des Held-Unter­gangs mit­ge­ris­sen wer­den könn­te. Schleu­nigst such­te er das Wei­te: Held, so tön­te er fort­an, habe eine rote Linie über­schrit­ten (wohl­ge­merkt: für Gün­ther erst jetzt)! „Ich war scho­ckiert, als ich das gele­sen habe, das ist für mich unfass­bar“, heu­chel­te er und tat ganz ent­setzt: „Die heu­te bekannt gewor­de­nen Vor­wür­fe sind so schwer­wie­gend, dass hier schnells­tens Kon­se­quen­zen gefor­dert wer­den müs­sen.“

Behü­te mich Gott vor mei­nen Freun­den, mit den Fein­den will ich schon allein fer­tig wer­den – so lau­tet ein geflü­gel­tes Wort, das in Nier­stein mit Leben gefüllt wird. Der CDU-Stadt­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gün­ther zeig­te uns sein wah­res Gesicht, als er Held via Pres­se die Freund­schaft auf­kün­dig­te. Ange­sichts der jah­re­lang offen zele­brier­ten Kum­pa­nei mit dem SPD-Mann wirk­te sei­ne öffent­li­che Ent­rüs­tung nur auf­ge­setzt und unglaub­wür­dig.

Ein CDU-Mit­glied in Nier­stein sag­te: „Ziem­lich ver­lo­gen, die­se Num­mer.“

In die­sem ziem­lich her­un­ter­ge­kom­me­nen Gast­hof resi­die­ren Gün­thers Chi­na-Fir­men.

Schmud­del-Her­ber­ge dient Chi­ne­sen als Brief­kas­ten­fir­ma

Und damit sind wir ange­kom­men: Herz­lich will­kom­men in Nier­stein unter CDU-Stadt­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gün­ther im Jahr 2018!

Vor kur­zem leg­te ein Schiff am Fluss­ufer des rhein­hes­si­schen Städt­chens an und setz­te eine Rei­se­grup­pe Chi­ne­sen an Land ab. Gün­ther und der Geschäfts­füh­rer der Wein- und Sekt­kel­le­rei Jakob Ger­hard, Pierre Boos, luden die Rei­se­grup­pe zu einem Emp­fang ein, bei dem auch Ex-Land­rat Claus Schick und der kom­mis­sa­ri­sche Bür­ger­meis­ter der Stadt Oppen­heim, Hel­mut Kre­the, auf­kreuz­ten.

Und wie­der ver­kün­de­te Gün­ther laut­hals, was die loka­len Blätt­chen prompt nahe­zu wort­gleich wie­der­ga­ben:

Es zeigt sich immer mehr, dass unser dama­li­ger Besuch in Chi­na Nach­hall in Form von wirt­schaft­li­chen und tou­ris­ti­schen Erfol­gen fin­det.”

Das hört man doch mit Freu­de! Nach­hall in Form wirt­schaft­li­cher Erfol­ge – das schau­en wir uns ger­ne etwas genau­er an:

Ger­ma­ny Hong GmbH“ nennt sich die eine Fir­ma, die Gün­ther nach Nier­stein gelotst haben will, die ande­re nennt sich in einem merk­wür­di­gen Gemisch aus Deutsch und Eng­lisch „Ger­ma­ny Moti­on Tech­no­lo­gie GmbH“. Es han­delt sich angeb­lich um Unter­neh­men „mit meh­re­ren hun­dert Mit­ar­bei­tern, die laut Gün­ther Modu­le für Moto­ren und elek­tri­sche Klein­tei­le her­stel­len und Zulie­fe­rer für gro­ße inter­na­tio­na­le Fir­men wie Audi, VW, Apple oder Sam­sung sind“. So stand’s in der Zei­tung, die vom Stadt­bür­ger­meis­ter direkt infor­miert wur­de und deren Bericht­erstat­tung er bis­her nicht kri­ti­siert hat. Man will uns wohl glau­ben machen: Gün­ther hat rich­tig poten­te Fir­men geholt!

Fra­ge: Hat wer die Fir­men schon gese­hen in Nier­stein? Bei­de sol­len bereits vor Mona­ten Nie­der­las­sun­gen gegrün­det haben, hat­te der Stadt­bür­ger­meis­ter gesagt. Sind sie eigent­lich schon irgend­wo auf­ge­taucht?

Wir haben sie ent­deckt, und wenn Sie mehr wis­sen wol­len, die gan­ze Wahr­heit, dann sei­en Sie gewarnt: Dann müs­sen Sie ganz tap­fer sein!

Ken­nen Sie das Hotel-Restau­rant „Alter Vater Rhein“? Es liegt in der Gro­ßen Fischer­gas­se, einer engen Ein­bahn­stra­ße, die von der Main­zer Stra­ße (B 9) aus ein­fahr­bar ist. Lin­ker Hand, Haus­num­mer 4, da liegt das Gast­haus: Zwei­stö­ckig, die Haus­fas­sa­de war einst­mals kit­schig-bunt bemalt, jetzt wirkt alles ziem­lich her­un­ter­ge­kom­men, ver­wahr­lost, schmud­de­lig.

Wir haben ver­sucht, das Hotel bzw. Restau­rant auf­zu­su­chen. Geht nicht! Das Tele­fon: seit Wochen nicht besetzt. Die Ein­gangs­tür: seit Wochen abge­schlos­sen. Mails wer­den nicht beant­wor­tet. Als wir unlängst klin­gel­ten, erschien ein Asia­te an der Tür, lug­te durch einen schma­len Spalt, ver­stand kein Deutsch, woll­te kein Eng­lisch spre­chen, schloss die Tür wie­der zu. Auf dem Park­platz sta­pelt sich Leer­gut, wuchert Unkraut.

Links neben der Ein­gangs­trep­pe hängt die Spei­se­kar­te in einem Kas­ten, das Glas so ver­dreckt, dass man das „kuli­na­ri­sche“ Ange­bot kaum lesen kann. Rechts vor der Trep­pe steht ein Schild: „Echt gei­le rhein­hes­si­sche Küche“. Auf der obers­ten Stu­fe, direkt neben der Ein­gangs­tür, stinkt ein über­vol­ler Ziga­ret­ten­ei­mer, dar­über hängt ein Stahl­blech-Brief­kas­ten mit ein­ge­stanz­tem Post­horn…

Das ist das Tra­di­ti­ons-Gast­haus „Alter Vater Rhein“. Und hier fin­den wir sie alle­samt, Gün­thers Chi­ne­sen-Fir­men, die für ihn „wirt­schaft­li­chen Erfolg“ sym­bo­li­sie­ren. Die Namen der Unter­neh­men ste­hen auf einem aus­ge­ris­se­nen Zet­tel, der mit durch­sich­ti­gen Tesa-Strei­fen auf die dun­kel­brau­ne Post­box geklebt wur­de:

Die „Ger­ma­ny Hong GmbH“ und die „Ger­ma­ny Moti­on Tech­no­lo­gie GmbH“, die angeb­li­chen Nie­der­las­sun­gen inter­na­tio­na­ler Auto­mo­bil-Zulie­fer­kon­zer­ne, haben ihren Fir­men­sitz in die­sem her­un­ter­ge­kom­me­nen Nier­stei­ner Gast­hof gefun­den.

Dazu gibt es hier – das mag noch durch­aus nahe­lie­gend sein – eine Fir­ma mit dem Namen „Alter Vater Rhein GmbH“.

Außer­dem haben unter die­ser Adres­se eine „ASAP Glo­bal GmbH“ und eine „BBG Ger­ma­ny GmbH“, eine „Jun­cun Glo­bal GmbH“ und noch eine „L.Rhein GmbH“ ihren Fir­men­sitz.

Soll das der ver­spro­che­ne „wirt­schaft­li­che Erfolg“ nach Gün­thers Chi­na-Rei­se sein? Ein leer­ste­hen­des Schmud­del-Hotel mit geschlos­se­nem Restau­rant als Brief­kas­ten-Adres­se für Depen­dan­cen gro­ßer chi­ne­si­scher Unter­neh­men?

Neue Arbeits­plät­ze und höhe­re Steu­er­ein­nah­men hat­te Tho­mas Gün­ther ver­spro­chen – mit die­sen Fir­men?

Wir wür­den ger­ne detail­lier­te­re Infor­ma­tio­nen über die GmbHs ver­ra­ten, aber das gestal­tet sich äußerst schwie­rig. Bei den meis­ten der genann­ten Fir­men hat eine Frau Xin­ru Groß­kopf ihre Fin­ger mit im Spiel. Sie ist die Betrei­be­rin des Gast­hau­ses „Alter Vater Rhein“. Als sie das tra­di­ti­ons­rei­che Geschäft im Jahr 2015 über­nahm, ver­mel­de­te die Lokal­zei­tung hap­py:

Ich lie­be die­ses Haus, egal wie alt“: Xin Ru Fang sitzt unter Holz­schnitz­ar­bei­ten und Wand­ma­le­rei­en mit zünf­ti­gen Trink- und Lebens­weis­hei­ten. Die zier­li­che jun­ge Frau ver­mit­telt auf den ers­ten Blick nicht den Ein­druck, als ob rhein­hes­si­sche gefüll­te Klö­ße auf Rahm­kraut oder ein kräf­ti­ger Schluck vom Roten Hang zu ihrem regu­lä­ren Spei­se­plan gehört. Doch das täuscht: Die seit vie­len Jah­ren in Deutsch­land hei­mi­sche Chi­ne­sin und ihre Fami­lie über­neh­men zum 1. März die Geschi­cke des Nier­stei­ner Tra­di­ti­ons­hau­ses „Alter Vater Rhein“. Und Carl Zuck­may­ers Leib­ge­richt, eben jene gefüll­ten Klö­ße, blei­ben eben­so auf der Spei­se­kar­te wie so man­cher gute Trop­fen aus der Regi­on.

Es waren wohl eher from­me Wunsch­ge­dan­ken, die der Redak­teu­rin den Text dik­tier­ten. Bin­nen kur­zer Zeit ent­fern­te sich das Tra­di­ti­ons­haus wei­test­mög­lich von jed­we­der Gast­lich­keit: Küche und Hotel­le­rie – wenn es sie denn noch gibt, wor­auf nichts hin­deu­tet – dürf­ten selbst Men­schen in bit­ters­ter Not nicht zu locken ver­mö­gen.

Die Päch­te­rin, die in der Zei­tung – wie spä­ter auch von Stadt­bür­ger­meis­ter Gün­ther – stets mit dem Namen Xin­ru Fang vor­ge­stellt wur­de, ist eine Chi­ne­sin, die laut Lokal­zei­tung seit 2003 in Deutsch­land lebt und 2008 einen Nier­stei­ner hei­ra­te­te, mit dem sie in Frank­furt woh­nen soll. Nach­weis­lich heißt sie seit­her Xin­ru Groß­kopf, nennt sich jedoch offen­bar immer wie­der Frau Fang. War­um sie unter zwei Namen auf­tritt? Als wir sie am Han­dy erreich­ten und danach fra­gen woll­ten, leg­te sie gleich wie­der auf. Unse­re Mails beant­wor­te­te sie nicht. Sie wird ihre Grün­de haben.

Spu­ren die­ser Frau ent­de­cken wir in Meck­len­burg-Vor­pom­mern, wo die heu­te 41-Jäh­ri­ge vor gut zehn Jah­ren zeit­wei­lig einen Han­del mit bunt gemisch­tem Aller­lei (Sou­ve­nirs, Möbel, Schmuck, Bau­ma­te­ri­al, Stahl und Schrott, Autos und Rei­sen) lei­te­te. 2011 wur­de die Fir­ma gelöscht.

Die Frau tauch­te dann in Esch­born vor den Toren Frank­furts auf, wo sie in einem der gro­ßen Büro­häu­ser eine klei­ne Fir­ma („G&P UG haf­tungs­be­schränkt“) für Damen­be­klei­dung und Hoch­zeits­be­darf eröff­ne­te. Laut Han­dels­re­gis­ter nann­te sie sich jetzt Xin­ru Groß­kopf. Die Fir­ma gibt es seit 2013 nicht mehr.

Anfang 2015 grün­de­te sie als antei­li­ge Gesell­schaf­te­rin und Geschäfts­füh­re­rin für den Betrieb des Nier­stei­ner Hotel-Restau­rants die „Alter Vater Rhein GmbH“ (AG Mainz HRB 46189).

Wenig spä­ter wur­de unter der­sel­ben Adres­se die „ASAP Glo­bal GmbH“ (HRB 46441) gegrün­det: Xin­ru Groß­kopf ist eine von drei Geschäfts­füh­rern – das Unter­neh­men, das in Rod­gau-Duden­ho­fen eine Nie­der­las­sung betreibt, han­delt laut Inter­net-Dar­stel­lung mit gebrauch­ten Stra­ßen­bau-Maschi­nen.

Es folg­te wenig spä­ter die Grün­dung der „BBG Ger­ma­ny GmbH“: Geschäfts­füh­ren­de Gesell­schaf­te­rin ist auch hier Xin­ru Groß­kopf, in die­sem Unter­neh­men han­delt sie mit Lebens­mit­teln.

Und schließ­lich sitzt die Frau in den bei­den neu gegrün­de­ten Nie­der­las­sun­gen der chi­ne­si­schen Kon­zer­ne: Bei „Ger­ma­ny Hong GmbH“ ist sie Mit­ei­gen­tü­me­rin. Bei der „Ger­ma­ny Moti­on Tech­no­lo­gie GmbH“ sitzt sie mit in der Geschäfts­füh­rung. Tho­mas Gün­ther weiß, was die Fir­men machen – sag­te er jeden­falls der Zei­tung: „Die Ger­ma­ny Hong GmbH stellt Lager­pro­duk­te für Autos, Flug­zeug­tei­le und Maschi­nen her.“ Die Ger­ma­ny Moti­on Tech­no­lo­gie GmbH habe sich „auf den Bau von elek­tro­ni­schen Mess­ge­rä­ten und Modu­len spe­zia­li­siert“.

Frau Xin­ru Groß­kopf muss wirk­lich ein unter­neh­me­ri­sches Mul­ti-Talent sein! Von Hoch­zeits­klei­dung über schwe­re Bau­fahr­zeu­ge und Lebens­mit­teln bis hin zu elek­tro­ni­schen Mess­ge­rä­ten und Lager­pro­duk­ten für Autos und Flug­zeu­ge – sie kann offen­bar alles.

Ob wirk­lich alles mit rech­ten Din­gen zugeht? Das weiß der­zeit nur sie allein.

Der Brief­kas­ten vorm Schmud­del-Gast­hof: Hier hat auch die neue Fir­ma vom ehe­ma­li­gen SPD-Land­rat ihr „Fir­men­schild” auf­ge­klebt.

Gün­thers Geheim­nis: Chi­ne­sen-Fir­ma mit dem Ex-Land­rat

Als wir vor vier Wochen beim alten Gast­haus an der Gro­ßen Fischer­gas­se in Nier­stein anklopf­ten, wies das Brief­kas­ten-Namens­schild noch auf eine Fir­ma namens „L.Rhein GmbH“ hin, die laut Han­dels­re­gis­ter mit Instru­men­ten und Gerät­schaf­ten für Mess- und Regel­tech­nik han­delt und inzwi­schen nach Frank­furt umge­sie­delt sein soll.

Ein wei­te­rer Name am Brief­kas­ten nann­te eine „Jun­cum Glo­bal GmbH“, die im Han­dels­re­gis­ter lei­der nicht auf­zu­trei­ben ist, wes­halb wir kon­sta­tie­ren müs­sen, dass es sich um eine Fake-Fir­ma han­del­te.

Die bei­den Fir­men­na­men „L.Rhein GmbH“ und „Jun­cum Glo­bal GmbH“ sind inzwi­schen vom Brief­kas­ten ver­schwun­den, dafür hat jetzt neben dem „Deutsch­land HBR E.V.“ (ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein die­ses Namens fin­det sich kei­nem der uns zugäng­li­chen Ver­eins­re­gis­ter) ein neu­es Unter­neh­men sei­nen Sitz in der Gro­ßen Fischer­gas­se 4 gefun­den: die „Ger­ma­ny Rhein Buil­ding and Tra­ding GmbH“.

Als wir im Han­dels­re­gis­ter nach Eigen­tü­mern und Geschäfts­füh­rern nach­schau­ten, erleb­ten wir eine Über­ra­schung:

Die Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter sind:

➜ ein Chi­ne­se namens Zhi­gang Chen (22,5%);

➜ die uns inzwi­schen bes­tens bekann­te Betrei­be­rin des Gast­hau­ses „Alter Vater Rhein“, die chi­ne­si­sche Mul­ti-Unter­neh­me­rin Xin­ru Groß­kopf (20%);

➜ der Wein­händ­ler Pierre Boos aus Wein­ols­heim (22,5%).

und – jetzt kommt’s:

➜ Claus Schick, der ehe­ma­li­ge SPD-Land­rat von Mainz-Bin­gen (20%);

sowie

➜ Tho­mas Gün­ther, der CDU-Stadt­bür­ger­meis­ter von Nier­stein (15%)

Die Namen die­ser Fünf erschei­nen in der Grün­dungs­ur­kun­de vom 19. Dezem­ber 2017 (UR.Nr. 400/2017 der Nota­rin Mai­ke Strö­mer, Frank­furt). Beim Grün­dungs­akt ließ sich Tho­mas Gün­ther noch von Xin­ru Groß­kopf ver­tre­ten. Am 27. Dezem­ber 2017 reis­te er dann eigens nach Frank­furt, um den Grün­dungs­akt bei Nota­rin Strö­mer rechts­förm­lich zu geneh­mi­gen (UR.Nr. 408/2017).

Da fra­gen wir uns doch: Wel­ches unter­neh­me­ri­sche Inter­es­se hat die fünf Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter – vor allem auch die Her­ren Gün­ther und Schick – gelei­tet? Auf­schluss bie­tet der Gesell­schafts­zweck der am 1. März 2018 unter HRB 47991 in das Han­dels­re­gis­ter beim Amts­ge­richt Mainz ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaft:

Im- und Export von Lebens­mit­teln aller Art, ins­be­son­de­re von Wein- und Likör­spe­zia­li­tä­ten, Spi­ri­tuo­sen und nicht alko­ho­li­schen Geträn­ken. Fer­ner die Pla­nung, Bera­tung und Umset­zung von Bau­pro­jek­ten sowie die Durch­füh­rung von Ver­an­stal­tun­gen und Events im In- und Aus­land.”

Ein ziem­li­cher Gemischt­wa­ren­la­den. Sicher darf man Tho­mas Gün­ther, von Hau­se aus Ver­trieb­ler von Solin­ger Klin­gen, zutrau­en, auch Lebens­mit­tel an den Mann oder die Frau zu brin­gen. Bri­sant aber eher – Oppen­heim lässt grü­ßen – das Stand­bein im Immo­bi­li­en­ge­schäft:

Wol­len sich die Herr­schaf­ten – nament­lich der CDU-Stadt­bür­ger­meis­ter und der EX-SPD-Land­rat – etwa unter­neh­me­risch am Rhein-Selz-Park betei­li­gen? Inter­es­sant in die­sem Zusam­men­hang: Der Gesell­schafts­ver­trag der „Ger­ma­ny Rhein Buil­ding and Tra­ding GmbH“ gibt Gün­ther und Schick mit ihrem Betei­li­gungs­pa­ket von zusam­men 37,5% eine Sperr­mi­no­ri­tät, also nicht uner­heb­li­chen Ein­fluss.

Immer­hin: Bei Grün­dung der Gesell­schaft zeig­te Gün­ther – der akti­ve Kom­mu­nal­po­li­ti­ker – noch eine gewis­se Scham. Den Außen­auf­tritt des Unter­neh­mens, näm­lich die Geschäfts­füh­rung und Ver­tre­tung der Gesell­schaft, über­ließ er Xin­ru Groß­kopf – und Claus Schick.

Mit dem Wis­sen um die Fir­men­neu­grün­dung am 19. Dezem­ber 2017 wird uns heu­te so eini­ges klar:

  • Claus Schick war lan­ge Jah­re Land­rat von Mainz-Bin­gen, ein stram­mer SPD-Mann. Bevor er Ende Sep­tem­ber letz­ten Jah­res in den Ruhe­stand trat, mach­te CDU-Mann Gün­ther den Genos­sen zum Ehren­bür­ger von Nier­stein. Wirk­lich wegen sei­ner Ver­diens­te für Nier­stein? Oder plan­te man damals schon die gemein­sa­me Fir­ma, und woll­te Gün­ther sei­nem alten Kum­pel ein­fach mal was Gutes tun, ger­ne auch auf Kos­ten sei­nes Städt­chens?
  • Nach­dem Claus Schick beim Oppen­hei­mer Neu­jahrs­emp­fang die Pres­se­kri­tik an sei­nen Par­tei­freund Mar­cus Held als „Pogro­me“ bezeich­net hat­te, empör­ten sich selbst füh­ren­de Genos­sen über die­se unge­heu­er­li­che Ent­glei­sung. CDU-Mann Gün­ther dage­gen schwieg. Jetzt wis­sen wir war­um: Er war bereits mit Schick unter­neh­me­risch aktiv. Pri­va­te Geschäf­te schei­nen die­sem Mann wich­ti­ger zu sein als poli­ti­sche Moral.
  • Im ganz neu­en Licht erschei­nen auch Gün­thers Aus­fäl­lig­kei­ten, nach­dem wir im letz­ten Novem­ber sei­ne Chi­na-Dar­stel­lun­gen kri­tisch hin­ter­fragt hat­ten. Sei­nen Anwalt ließ er schrei­ben: „Ihr Arti­kel „Knall in Nier­stein: Wo sind nur die Chi­na-Fir­men?“ erschöpft sich also in einer rei­ße­risch dar­ge­brach­ten, blo­ßen Ver­mu­tung Ihrer­seits, die jeg­li­ches jour­na­lis­ti­sche Niveau ver­mis­sen lässt und offen­bar nur dazu die­nen soll, Herrn Tho­mas Gün­ther in der Öffent­lich­keit zu dis­kre­di­tie­ren.”

Schon damals wuss­te Gün­ther, dass er mit Schick, Groß­kopf & Co. eine eige­ne Fir­ma grün­den woll­te. Nur einen Monat spä­ter unter­schrieb er die Grün­dungs­ur­kun­de mit dem Gesell­schafts­ver­trag…

Heu­te dür­fen wir ver­mu­ten, dass Tho­mas Gün­ther mit sei­ner maß­los über­zo­ge­nen Reak­ti­on und Atta­cke gegen einen Jour­na­lis­ten nur ver­hin­dern woll­te, dass das Geheim­nis sei­nes pri­va­ten Geschäfts jemals publik wür­de. Bei­na­he wäre es ihm gelun­gen: Wer ahnt auch schon, dass ein schlich­ter Zet­tel am Brief­kas­ten eines her­un­ter­ge­kom­me­nen Gast­hofs zur Gesell­schafts­grün­dung des Stadt­bür­ger­meis­ters führt?

Und in der Tat: Gün­ther muss die Gesell­schafts­grün­dung im Nach­hin­ein als hoch­gra­dig bri­sant emp­fin­den. Nicht zuletzt, nach­dem sei­nem Ex-Kol­le­gen und Ex-Bud­dy Held im benach­bar­ten Oppen­heim die Ver­qui­ckung von pri­va­ten Inter­es­sen und öffent­li­chem Amt zum Ver­häng­nis gewor­den war und sich gera­de Gün­ter dar­über medi­en­wirk­sam ent­rüs­tet gezeigt hat­te. Er – Gün­ther – muss wohl gespürt haben, dass er selbst mit der GmbH-Grün­dung die von ihm voll­mun­dig pro­pa­gier­te „rote Linie“ über­schrit­ten hat:

Nur so ist zu erklä­ren, dass Nota­rin Mai­ke Strö­mer unlängst, unter dem Datum vom 1. März 2018, eine neue, geän­der­te Gesell­schafter­lis­te beim Han­dels­re­gis­ter hin­ter­leg­te. Danach hat Gün­ther sei­ne Grün­dungs­be­tei­li­gung von 15 Pro­zent zu glei­chen Tei­len an die Mit­ge­sell­schaf­ter Chen, Groß­kopf und Boos abge­ge­ben. Ob die dar­über auch wirt­schaft­li­che Eigen­tü­mer der Betei­li­gung gewor­den sind oder nur als Treu­hän­der Gün­thers fun­gie­ren, ist nicht über­lie­fert und anhand des Han­dels­re­gis­ters auch nicht zu veri­fi­zie­ren.

Nicht nur Oppen­heim, nein, erkenn­bar auch in Nier­stein gibt es nichts, was es nicht gibt.

Erschie­nen am 15. März 2018 auf www.der-oppenheim-skandal.de