Poli­ti­ker & Pres­se­frei­heit: Mit Juris­ten gegen Jour­na­lis­ten

Wir kämp­fen mit uner­schro­cke­ner Recher­che, prä­zi­sen Fak­ten und klu­gen Gedan­ken. Unter ande­rem dafür, dass Kunst und Medi­en frei sind. Denn da wo man Gedan­ken nur des­halb die Frei­heit nimmt, weil sie einem nicht gefal­len, tut man das frü­her oder spä­ter auch mit den Men­schen.“

Das schrieb Dr. Mathi­as Döpf­ner, der Vor­stands­vor­sit­zen­de des Axel-Sprin­ger-Ver­la­ges und Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Zei­tungs­ver­le­ger, in einem Arti­kel über Deniz Yücel, jenem Jour­na­lis­ten, der mona­te­lang in der Tür­kei in U-Haft ein­saß, weil er nicht geschrie­ben hat­te, wie die Herr­schen­den von ihm ver­lang­ten.

In Rhein­hes­sen hat man, was die Frei­heit der Medi­en angeht, ganz eigen­ar­ti­ge Vor­stel­lun­gen. Wobei: „Man” ist natür­lich nicht rich­tig. Zu erle­ben war der Ver­such von Poli­ti­kern, die Pres­se­frei­heit mit Hil­fe will­fäh­ri­ger Juris­ten aus­zu­he­beln oder zumin­dest Jour­na­lis­ten mit Droh­brie­fen ein­zu­schüch­tern, bei der Bericht­erstat­tung über den „Oppen­heim-Skan­dal”.

Täter im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes: zwei Lokal­po­li­ti­ker – einer saß frü­her im rhein­land-pfäl­zi­schen Land­tag, der ande­re sitzt im Deut­schen Bun­des­tag, noch immer.

Mar­cus Held, der SPD-MdB, hat mehr­mals ver­sucht, die Bericht­erstat­tung über sei­ne Affä­ren als Oppen­hei­mer Stadt­bür­ger­meis­ter mit geziel­ten Falsch­dar­stel­lun­gen und unwah­ren Behaup­tun­gen zu ver­hin­dern. Er schreck­te nicht ein­mal vor per­sön­li­chen Dif­fa­mie­run­gen zurück. Als auch das nicht den erwünsch­ten Erfolg brach­te, schick­te er einen Ber­li­ner Anwalt vor. Einen mit Pro­fes­sor- und Dok­tor­ti­tel, was wohl Ein­druck schin­den soll­te, sich am Ende aber als Lach­num­mer erwies:  Der Mann ver­fass­te einen Schrift­satz in der­art dumpf-pöbeln­der Wei­se, dass Kol­le­gen von ihm schen­kel­klop­fend mut­maß­ten, Held habe dem Mann ver­mut­lich etwas zu viel des rhein­hes­si­schen Reben­saf­tes ein­ge­flößt.

In ähn­li­cher Wei­se reagier­te Tho­mas Gün­ther: Der war mal CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter in Rhein­land-Pfalz, ist heu­te Stadt­bür­ger­meis­ter im Oppen­hei­mer Nach­bar-Städt­chen Nier­stein. Von ihm heißt es, er sei der fes­ten Über­zeu­gung, dass Laut­stär­ke Argu­men­te erset­zen und wil­des Brül­len jeden Kri­ti­ker ein­schüch­tern kön­ne. Mag sein, dass dies manch­mal funk­tio­niert. In die­sem Fall aller­dings ver­sen­de­te sich sein Getö­se, wes­halb auch er einen Anwalt enga­gier­te. Und auch der schrieb einen lan­gen Brief, zwar nicht ganz so pöbel­an­tig wie sein Ber­li­ner Kol­le­ge, aber eben­so wenig erfolg­reich.

Der Ham­bur­ger Jour­na­lis­mus­for­scher Vol­ker Lili­en­thal hat in einem Inter­view mit dem Deutsch­land­funk gesagt, es sei seit Jah­ren die Ent­wick­lung zu beob­ach­ten, dass über Anwäl­te ver­sucht wer­de, Medi­en­be­rich­te abzu­stra­fen oder bereits im Keim zu ersti­cken. Ande­re Redak­tio­nen wür­den davon abge­schreckt, ein­zel­ne Jour­na­lis­ten ent­wi­ckel­ten eine Sche­re im Kopf und ver­zich­te­ten im Zwei­fel auf bestimm­te Behaup­tun­gen und Wer­tun­gen, um juris­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen aus dem Weg zu gehen. Die Fol­ge sei: „Bestimm­te Krei­se – Ver­ant­wort­li­che oder rich­ti­ge Mis­se­tä­ter – blei­ben dann unbe­hel­ligt von miss­lie­bi­ger Bericht­erstat­tung, sie müs­sen sich nicht mehr in der Öffent­lich­keit recht­fer­ti­gen.”

Es steht zu ver­mu­ten, dass sol­che Über­le­gun­gen Mar­cus Held wie auch Tho­mas Gün­ther lei­te­ten, als sie mit Juris­ten ver­such­ten, Kri­tik zu unter­drü­cken und Jour­na­lis­ten mund­tot zu machen.

Mar­cus Held: Lügen und Juris­ten pflas­tern sei­nen Weg

Im Juni 2017 hat­te ich erst­mals über den „Oppen­heim-Skan­dal” berich­tet. Anhand von ver­trau­li­chen Behör­den­pa­pie­ren und zahl­rei­chen Hin­wei­sen aus der Bevöl­ke­rung konn­te ich auf­de­cken, dass der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te als Stadt­bür­ger­meis­ter zahl­rei­che dubio­se und auch rechts­wid­ri­ge Geschäf­te getä­tigt hat­te – stets zu Las­ten der Stadt.

Held schoss zurück: In einem SPD-Stadt­ma­ga­zin, das er an alle Haus­hal­te ver­tei­len ließ, sprach er von einem „Angriff aus dem Hin­ter­halt”, von „kri­mi­nel­ler Ener­gie”, er schrieb von einem „bezahl­ten Jour­na­lis­ten” und einer „par­tei­po­li­tisch gesteu­er­ten Kam­pa­gne” gegen sei­ne Per­son.

Das war, wie wir heu­te wis­sen, alles unwahr, wir kön­nen auch sagen: Es war erfun­den und erlo­gen. Die Staats­an­walt­schaft hat inzwi­schen mehr als 20 Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen den SPD-Poli­ti­ker ein­ge­lei­tet, Poli­zei­be­am­te durch­such­ten das Oppen­hei­mer Rat­haus, es gab Mon­tags-Demos gegen den SPD-Poli­ti­ker, und im März 2018 trat er schließ­lich ange­sichts immer neu­er Vor­wür­fe und Ver­dachts­mo­men­te zurück. Als Stadt­bür­ger­meis­ter. Im Bun­des­tag blieb er sit­zen, genau­er: Er kas­siert seit Mona­ten sei­ne Diä­ten, aber tut nichts dafür. Er hat sich krank gemel­det.

Vor sei­nem Rück­zug aus allen loka­len Ämtern hat­te er ver­sucht, mich mit Hil­fe eines Medi­en­recht­lers zum Schwei­gen zu brin­gen. Doch der Ber­li­ner Jurist, den er enga­gier­te und dem als sicher­lich eine gewis­se  Erfah­rung zuzu­schrei­ben ist, fand offen­bar kei­nen Ansatz für ein Erfolg ver­spre­chen­des juris­ti­sches Vor­ge­hen. Statt­des­sen schrieb er für Mar­cus Held  einen Brief, wie ihn kaum ein seriö­ser Rechts­an­wäl­te jemals geschrie­ben haben dürf­ten. Es war, das dür­fen wir ver­mu­ten, eine bezahl­te Auf­trags­ar­beit: Held woll­te den Brief ver­öf­fent­li­chen – als wei­te­ren Ver­such, einen kri­ti­schen Jour­na­lis­ten zu ver­un­glimp­fen, unglaub­wür­dig zu machen und klein zu krie­gen.

Das Schrei­ben von Prof. Dr. Jan Hege­mann ver­öf­fent­lich­te Held in der nächs­ten Aus­ga­be sei­nes SPD-Stadt­ma­ga­zins. Wir doku­men­tie­ren es hier im Wort­laut:

Sehr geehr­ter Herr Held,

Sie haben mich gebe­ten zu prü­fen, ob wir mit Unter­las­sungs- ggf. auch Gegen­dar­stel­lungs- und Rich­tig­stel­lungs­an­sprü­chen gegen den Blogg des Jour­na­lis­ten Tho­mas Ruhmöl­ler vor­ge­hen kön­nen.

Mei­ne Ant­wort ist: Natür­lich kön­nen wir das! Ruhmöl­ler ver­letzt mit sei­ner Skan­dal­be­richt­erstat­tung durch­ge­hend die Regeln der jour­na­lis­ti­schen Sorg­falt und ver­stößt gegen die Anfor­de­run­gen an zuläs­si­ge Ver­dachts­be­richt­erstat­tung.

Gleich­wohl habe ich erheb­li­che Beden­ken, denn: Wem nutzt das? Ich bin mir ziem­lich sicher, dass Ruhmöl­ler für sei­ne Ruf­mord­kam­pa­gne von einer hin­ter ihm ste­hen­den Per­son bezahlt wird. Es dürf­te sich dabei um den Ver­fas­ser des anony­men Memo­ran­dums han­deln, mit dem der angeb­li­che , Oppen­heim Skan­dal” vor eini­gen Mona­ten los­ge­tre­ten wor­den ist. Ruhmöl­ler wird sich durch Durch­set­zung äuße­rungs­recht­li­cher Ver­bo­te nicht abschre­cken las­sen. Kos­ten, die ihm ent­ste­hen, wer­den ihm höchst­wahr­schein­lich erstat­tet. Er selbst und sein mut­maß­li­cher Auf­trag­ge­ber war­ten ver­mut­lich nur dar­auf, dass der Fall vor Gericht ver­han­delt wird.

Inzwi­schen prü­fen Lan­des­rech­nungs­hof und Staats­an­walt­schaft die gegen Sie erho­be­nen Vor­wür­fe. Mit bei­den Behör­den arbei­ten Sie zusam­men. Bei die­sen Prü­fun­gen soll­te man es mei­nes Erach­tens im Moment auch belas­sen und nicht Neben­schau­plät­ze vor Zivil­ge­rich­ten eröff­nen.

Man merkt den Ruhmöl­ler-Ela­bo­ra­ten den wüten­den und blin­den Ver­fol­gungs­ei­fer deut­lich an. Ich neh­me an, dass die aller­meis­ten Leser — wenn irgend­je­mand über­haupt lesend durch die­se Blei­wüs­ten wan­dern will — die Sache schon rich­tig ein­ord­nen: als ein­sei­ti­gen und par­tei­ischen Radau­jour­na­lis­mus.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Jan Hege­mann Rechts­an­walt

Was soll man dazu sagen? In der Sache war das nicht wei­ter ernst zu neh­men. Wenn es wirk­lich eine Ruf­mord­kam­pa­gne gege­ben hät­te, wenn ich wirk­lich gegen die die jour­na­lis­ti­sche Sorg­falts­pflicht ver­sto­ßen hät­te: Dann hät­te Hege­mann mich nach allen Regeln der Kunst zer­legt. Unter­las­sung, Gegen­dar­stel­lung, Scha­dens­er­satz – er hät­te die Waf­fen­kam­mer des Juris­ten geöff­net, er hät­te scharf geschos­sen – und das wäre, ganz bestimmt, das Aus des Oppen­heim-Skan­dal-Blogs gewe­sen.

So aber lag der Jurist völ­lig dane­ben – auch in einem wei­te­ren Punkt: Der Hege­mann-Aus­spruch „wenn irgend­je­mand über­haupt lesend durch die Blei­wüs­ten wan­dern will” soll­te ver­mut­lich die jour­na­lis­ti­sche Leis­tung her­ab­set­zen, als Blei­wüs­ten, die  kei­nen inter­es­sie­ren. Welch ein Irr­tum! Mit mehr als 350.000 Sei­ten­auf­ru­fen und über eine Mil­li­on Klicks dürf­te der Oppen­hei­mer Lokal­blog einer der erfolg­reichs­ten in ganz Deutsch­land sein, wenn nicht der erfolg­reichs­te.

Juris­ten-Dro­hun­gen gegen Stadt­ma­ga­zin

Ein Held­sches Medi­en­op­fer aber gab es doch! Es war im Früh­jahr 2017, als die ers­ten Vor­wür­fe gegen den SPD-Poli­ti­ker bekannt gewor­den waren: Behör­den­in­ter­ne Papie­re, von Whist­leb­lo­wern an die Öffent­lich­keit gebracht, beschul­dig­ten den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter unsau­be­rer Immo­bi­li­en-Geschäf­te. In „sei­ner” Lokal­zei­tung („All­ge­mei­ne Zei­tung Mainz”) durf­te Mar­cus Held die Ver­däch­ti­gun­gen (die sich spä­ter alle­samt als wahr her­aus­stell­ten) voll­um­fäng­lich zurück­wei­sen: „Jemand will mich zer­stö­ren” behaup­te­te er ein­fach, der Zei­tung war die­se frei erfun­de­ne Behaup­tung eine Über­schrift wert.

Das Worm­ser Stadt­ma­ga­zin „Wo!” zeig­te sich kri­ti­scher, schick­te Held einen Fra­gen­ka­ta­log – und bekam wenig spä­ter von Held-Anwalt Hege­mann per Mail mit­ge­teilt, „dass Ihre geplan­te Ver­öf­fent­li­chung mit der Durch­set­zung von Unter­las­sungs-, Gegen­dar­stel­lungs-, Rich­tig­stel­lungs- und auch Scha­den­er­satz­an­sprü­chen beant­wor­tet wer­den wür­de. Dazu soll­ten wir es nicht kom­men las­sen”.

Das Maga­zin ver­zich­te­te auf den geplan­ten Bei­trag, ver­ständ­lich, ist eine juris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung in der Regel mit hohen Kos­ten ver­bun­den. Dass Held mit allen Tricks arbei­te­te, wur­de von „Wo!”-Chefredakteur Frank Fischer spä­ter in einem Inter­net-Blog auf­ge­deckt:

In der Mitt­wochs­aus­ga­be unse­res Mit­be­wer­bers Nibe­lun­gen­ku­rier erschien auf der Titel­sei­te ein Arti­kel des Chef­re­dak­teurs Stef­fen Heu­mann mit der Über­schrift: „Ganz klar eine poli­ti­sche Atta­cke” – Mar­cus Held weist Anschul­di­gun­gen zurück und kün­digt Anzei­ge gegen den nun ent­tarn­ten Anony­mus an. Etwas sau­er stieß uns dabei fol­gen­der Satz auf: „Die unan­ge­mes­se­ne Art der Bericht­erstat­tung ohne die Refle­xi­on der Vor­wür­fe auf ihren tat­säch­li­chen Wahr­heits­ge­halt, habe ihn (Mar­cus Held, die Red.) auch dazu ver­an­lasst, gegen die geplan­te Bericht­erstat­tung in einem Stadt­ma­ga­zin eine einst­wei­li­ge Ver­fü­gung zu erwir­ken.“

Das ist so nicht rich­tig, uns lag näm­lich bis dato gar kei­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gung vor. Wie wir auf Nach­fra­ge von Helds Anwalt in Erfah­run­gen brin­gen konn­ten, habe man am Mon­tag­mor­gen vor­sorg­lich einen Antrag auf einst­wei­li­ge Ver­fü­gung gestellt, der aber kurz danach wie­der zurück­ge­zo­gen wur­de, weil sich bei­de Sei­ten auf einen gemein­sa­men, zeit­na­hen Ter­min eini­gen konn­ten. Dar­auf ange­spro­chen, dass er das zum Zeit­punkt des Gesprä­ches am Diens­tag­mit­tag mit dem Nibe­lun­gen­ku­rier längst hät­te wis­sen müs­sen, ent­schul­dig­te sich Held, dass der Redak­teur den Druck­stopp wohl falsch inter­pre­tiert hät­te. 

Tho­mas Gün­ther: Ein Rechts­an­walt versucht’s mit Auf­plus­te­rung

Ande­rer Ort – ande­rer Poli­ti­ker – glei­che Masche: Direkt neben Oppen­heim liegt das Städt­chen Nier­stein, und dort „regiert” der CDU-Bür­ger­meis­ter Tho­mas Gün­ther (der sich in bes­se­ren Zei­ten , das nur neben­bei, zu ger­ne Helds Nähe such­te ). Als ich über ihn kri­tisch berich­te­te, mach­te er’s wie Held: Er enga­gier­te einen Anwalt und ließ ihn einen bösen Brief schrei­ben. Doch außer Spe­sen nichts gewe­sen, auch die­se Atta­cke lief ins Lee­re.

Das war gesche­hen: Gün­ther hat­te der Lokal­pres­se in den Blog dik­tiert, er habe chi­ne­si­sche Fir­men gefun­den, die sich in Nier­stein ange­sie­delt hät­ten.

Was mich beim Lesen der Zei­tungs­be­rich­te stut­zig mach­te: Die Fir­men wur­den unter­schied­lich benannt. Klei­ne Feh­ler, ein­zel­ne Buch­sta­ben waren falsch – kann ja mal pas­sie­ren. In die­sem Fall aber war’s ein Signal: Hier stimmt was nicht. Und tat­säch­lich erga­ben ers­te Recher­chen schnell: Die Fir­men waren nicht im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen. Sie exis­tier­ten mit­hin nicht. Tho­mas Gün­ther hat­te wohl etwas zu dick auf­ge­tra­gen.

Kri­ti­sches Hin­ter­fra­gen sei­ner Wor­te und Taten ist der Mann offen­bar nicht gewohnt. Nach Erschei­nen des Berichts „Knall in Nier­stein: Wo sind nur die Chi­na-Fir­men” beauf­trag­te er umge­hend die Kanz­lei Gal­lois mit der Wahr­neh­mung sei­ner Inter­es­sen. Der Arbeits­recht­ler Oli­ver Trinkl über­nahm und schrieb im Auf­trag des Stadt­bür­ger­meis­ters einen Brief, der hier im Wort­laut doku­men­tiert wer­den soll. Auch hier wie­der: Etli­che For­mu­lie­run­gen sind als Auf­plus­te­rung eines Juris­ten zu wer­ten, der kei­ne recht­li­che Hand­ha­be sieht, gegen eine Bericht­erstat­tung vor­zu­ge­hen – eben weil sie kor­rekt ist. Und so steht auch die­ses Schrei­ben als typi­sches Bei­spiel dafür, wie ein Kom­mu­nal­po­li­ti­ker mit Hil­fe von Juris­ten ver­sucht, eine nicht geneh­me Bericht­erstat­tung zu unter­drü­cken und kri­ti­sche Jour­na­lis­ten mund­tot zu machen:

Sehr geehr­ter Herr Ruhmöl­ler,

hier­mit zei­gen wir an, dass wir den Bür­ger­meis­ter der Stadt Nier­stein, Herrn Tho­mas Gün­ther anwalt­lich ver­tre­ten. Auf uns lau­ten­de Voll­macht ist bei­gefügt.

In Ihrem Bei­trag „Knall in Nier­stein: Wo sind nur die Chi­na Fir­men?” vom 15.11.2017 äußern Sie auf Ihrer Web-Sei­te „Der Oppen­heim Skan­dal” die Ver­mu­tung, die Mit­tei­lung von Herrn Gün­ther, chi­ne­si­sche Fir­men woll­ten sich im Rhein-Selz -Park ansie­deln, sei falsch. Die ange­kün­dig­ten Fir­men wür­den näm­lich gar nicht exis­tie­ren. Dies schlie­ßen Sie dar­aus, dass die Fir­men im Han­dels­re­gis­ter des Amts­ge­richts Mainz nicht ein­ge­tra­gen sei­en. Auf die­sem Hin­ter­grund bezwei­feln Sie, dass die bei­den chi­ne­si­schen Fir­men, von denen Herr Gün­ther in der Öffent­lich­keit berich­tet hat­te, über­haupt gegrün­det sei­en. Zur Begrün­dung ihrer Behaup­tung füh­ren Sie aus, dass nach Beur­kun­dung des Gesell­schafts­ver­trags bei einem Notar die­ser die Anmel­dung an das Han­dels­re­gis­ter umge­hend vor­näh­me. Daher müß­te die Anmel­dung der bei­den Fir­men beim Han­dels­re­gis­ter des Amts­ge­richts Mainz bereits vor­lie­gen.

Damit kom­men Sie ihrer jour­na­lis­ti­scher Sorg­falts­pflicht nicht nach. Denn rich­tig ist, dass ein Notar die Anmel­dung an das Han­dels­re­gis­ter regel­mä­ßig erst voll­zieht, wenn ihm der Nach­weis vor­liegt, dass das Stamm­ka­pi­tal min­des­tens zur Hälf­te auf dem Fir­men­kon­to ein­ge­zahlt wor­den ist. Dazu muss das Bank­kon­to der Gesell­schaft eröff­net sein, was regel­mä­ßig erst nach der Grün­dung in Form der Beur­kun­dung des Gesell­schafts­ver­trags mög­lich ist. Fer­ner soll­te auch Ihnen bekannt sein, dass Über­wei­sun­gen aus dem außer­eu­ro­päi­schen Aus­land, ins­be­son­de­re aus der Volks­re­pu­blik Chi­na, auf deut­sche Bank­kon­ten aus tat­säch­li­chen und recht­li­chen Grün­den mit­un­ter etwas Zeit benö­ti­gen. Bei­spiels­wei­se sind die Bestim­mun­gen des Geld­wä­sche­ge­set­zes zu beach­ten.

Uns lie­gen sowohl voll­stän­di­ge Kopi­en der Grün­dungs­ur­kun­den bei­der Fir­men der Nota­rin Strö­mer vom 22.09.2017 vor, als auch Bele­ge, wonach das Stamm­ka­pi­tal und zwar schon in vol­ler Höhe von je 50.000,00 EUR auf den Bank­kon­ten die­ser bei­den Fir­men in Grün­dung am 17.11.2017 ein­ge­zahlt wor­den ist. Die Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter kann und wird also in Kür­ze vor­ge­nom­men wer­den.

Ihre Unter­stel­lung, die Tat­sa­che, dass bei dem Han­dels­re­gis­ter noch nichts dar­über bekannt sei, las­se dar­auf schlie­ßen, dass es die Fir­men nicht gäbe, ist also grob falsch und irre­füh­rend. Rich­tig ist zwar, dass eine GmbH kon­sti­tu­tiv erst mit Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter ent­steht. Vor der Ein­tra­gung gibt es die Gesell­schaft jedoch schon im Grün­dungs­sta­di­um, was im Rechts­ver­kehr mit dem Zusatz „i.Gr.” in abge­kürz­ter Form bezeich­net wird.

Rich­tig ist des Wei­te­ren, dass die nor­ma­le Zeit­dau­er der Grün­dung und Regis­trie­rung einer deut­schen GmbH, deren Gesell­schaf­ter chi­ne­si­sche Inves­to­ren sind, auch im vor­lie­gen­den Fall nicht unge­wöhn­lich lan­ge gedau­ert hat, so dass ihre Schlüs­se, Herr Gün­ther sage in der Öffent­lich­keit die Unwahr­heit, wenn er von chi­ne­si­schen Inves­to­ren berich­te, schlicht falsch sind.

Ihr Arti­kel „Knall in Nier­stein: Wo sind nur die Chi­na Fir­men” erschöpft sich also in einer rei­ße­risch dar­ge­brach­ten, blo­ße Ver­mu­tung Ihrer­seits, die jeg­li­ches jour­na­lis­ti­sche Niveau ver­mis­sen lässt und offen­bar nur dazu die­nen soll, Herrn Tho­mas Gün­ther in der Öffent­lich­keit zu dis­kre­di­tie­ren. Durch eine sorg­fäl­ti­ge Recher­che hät­te sich das ver­mei­den las­sen.

Da wir davon aus­ge­hen, dass Sie, weil der Vor­gang Ihnen an und für sich sehr unan­ge­nehm sein müss­te, umge­hend eine Rich­tig­stel­lung auf Ihrem Blog im Inter­net vor­neh­men, wol­len wir momen­tan davon abse­hen, eine förm­li­che Gegen­dar­stel­lung zu ver­lan­gen. Das bleibt aber vor­be­hal­ten. Eine Ent­schul­di­gung Ihrer­seits bei Herrn Gün­ther kann man zwar nicht juris­tisch durch­set­zen, wäre aber wohl ange­zeigt und ein Gebot des Anstands.

Wei­te­re schlecht recher­chier­te Tat­sa­chen und Ver­mu­tun­gen tau­chen in Ihrem „Wochen-Rück­blick: Oppen­heim scheint auf­ge­wacht” auf. So hat­te Herr Gün­ther nie behaup­tet, „alles”, also auch eine Fach­hoch­schu­le sei „nota­ri­ell unter Dach und Fach”. Hier war immer nur von Absich­ten des Inves­tors die Rede, eine sol­che Fach­hoch­schu­le zu grün­den. Herrn Gün­ther hat es auch nicht „umge­hau­en”, als er Ihre schlecht recher­chier­ten Arti­kel über ihn und die angeb­li­che Nicht­exis­tenz chi­ne­si­scher Inves­to­ren zu lesen bekam. Er war zu Recht echauf­fiert, wie man sol­che unbe­grün­de­ten Behaup­tun­gen und blo­ße Ver­mu­tun­gen, die auf unzu­rei­chen­der und lücken­haf­ter Recher­che von übli­chen Ver­wal­tungs­vor­gän­gen resul­tie­ren, ins Inter­net set­zen und sich damit, wie Sie das tun, auch noch brüs­ten kann. An der Ver­samm­lung des CDU Ver­bands Rhein-Selz hat er schlicht wegen einer Erkäl­tung nicht teil­ge­nom­men.

Grund­stücks­kauf­ver­trä­ge zwi­schen Inves­to­ren und dem Eigen­tü­mer der Grund­stü­cke wer­den auch nicht der Ver­bands­ge­mein­de zum Zwe­cke der Prü­fung, ob ein Vor­kaufs­recht exis­tiert, vor­ge­legt, son­dern der Gemein­de oder Stadt selbst, das nur neben­bei.

Soll­ten Sie wie­der­holt ehren­rüh­ri­ge Behaup­tun­gen über Herrn Gün­ther ver­öf­fent­li­chen, die auf sol­chen blo­ßen Ver­mu­tun­gen und unrich­ti­gen Schluss­fol­ge­run­gen beru­hen, sind wir bereits jetzt dazu beauf­tragt, recht­li­che Schrit­te gegen Sie ein­zu­lei­ten.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Rechts­an­walt Trinkl

Epi­log

Dr. Katha­ri­na Bar­ley – sie ist Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin in Ber­lin, von der SPD – hat unlängst zum Tag der Pres­se­frei­heit gesagt:

Atta­cken gegen die freie Pres­se sind ein Fron­tal­an­griff auf die Grund­la­gen unse­res Zusam­men­le­bens in Frie­den, Sicher­heit und Frei­heit. Unsach­li­che Medi­en­schel­te ist dabei oft auch nur die trau­ri­ge Vor­stu­fe zur Ein­schüch­te­rung von Medi­en­schaf­fen­den und zu kör­per­li­cher Gewalt gegen Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten, die ein­fach nur gewis­sen­haft ihre Arbeit tun. (…) Ohne eine freie und unab­hän­gi­ge Pres­se kann kein demo­kra­ti­scher Rechts­staat funk­tio­nie­ren: Alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger müs­sen die Mög­lich­keit haben, Poli­tik und Welt­ge­sche­hen von Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten erklärt und ein­ge­ord­net zu bekom­men. Ihre Bericht­erstat­tung ist eine wert­vol­le Ergän­zung und auch ein wich­ti­ges Kor­rek­tiv für eige­ne Beob­ach­tun­gen und per­sön­li­che Ansich­ten.

Ihre Wor­te in die Ohren der rhein­hes­si­schen Poli­ti­ker, zuvör­derst Mar­cus Held und Tho­mas Gün­ther!