Dubio­ses Gewu­sel

Wer baut da eigent­lich an der Orts­aus­fahrt in Rich­tung Zeils­heim, gleich neben dem Sport­platz? Zehn Mil­lio­nen wer­de er inves­tie­ren, kün­dig­te jüngst der Fir­men­chef voll­mun­dig an. Sein Unter­neh­men nennt sich „GG Immo­bi­li­en GmbH“. Schaut man etwas genau­er hin, wird’s schon ein biss­chen merk­wür­dig…

Hof­heim. Mit dem ehe­ma­li­gen Möbel-Rich­ter-Gelän­de hat die Stadt Hof­heim bis­lang kein beson­ders glück­li­ches Händ­chen gehabt. Schon mehr­mals haben Unter­neh­mer gro­ße Plä­ne (und manch­mal noch grö­ße­re Sprü­che) gemacht, die am Ende wie Sei­fen­bla­sen zer­platz­ten.

Jetzt aber soll’s end­lich was wer­den: Eine „GG Immo­bi­li­en GmbH“ soll das Grund­stück (3250 qm; Ver­kehrs­wert angeb­lich 1,4 Mil­lio­nen) direkt an der Zeils­hei­mer Stra­ße neben dem Sport­platz des SV Hof­heim und Roten Stern bereits erwor­ben haben. Plötz­lich heißt der lang­jäh­ri­ge Schand­fleck ganz schick „Fich­te­park“, die „GG Immo­bi­li­en GmbH“ will dort drei Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser (mit je sechs Woh­nun­gen) und vier Ein­fa­mi­li­en­häu­ser bau­en, plus eine Tief­ga­ra­ge (39 Stell­plät­ze). Der Inves­tor ver­kün­de­te, Pea­nuts sind sei­ne Sache wohl nicht, zehn Mil­lio­nen Euro inves­tie­ren zu wol­len. Die­se Zei­tung ver­mel­de­te es unlängst.

Das Pro­blem: Wer kennt eigent­lich „GG Immo­bi­li­en“? Wer steckt hin­ter dem Unter­neh­men, das für eine Woh­nung (3 Zim­mer, 94 qm, direkt an der Haupt­ver­kehrs­stra­ße) ab 280 000 Euro auf­wärts ver­langt, für ein Ein­fa­mi­li­en­haus (5 Zim­mer, 160 qm, direkt neben dem Sport­platz) sogar bis zu 480 000 Euro?

Fra­gen wir Rai­ner Ben­der, einen jung-dyna­mi­schen Mak­ler aus dem Hau­se Hel­mut-Christ­mann-Immo­bi­li­en, der die Woh­nun­gen des Fich­te­parks exklu­siv ver­mark­tet. Beim Ver­kaufs­ge­spräch in sei­nem Büro an der König­stei­ner Stra­ße in Kelk­heim prä­sen­tiert er poten­zi­el­len Kun­den Hoch­glanz­pro­spek­te und, ganz hipp, alle Fotos und Plä­ne im schwar­zen Apple-iPad. Wir lesen von einem „Wohn­kon­zept zum Wohl­füh­len“, von einer „gelun­ge­nen Har­mo­nie aus kla­rer Archi­tek­tur und Wohn­kom­fort“, von einer „park­ähn­lich geplan­ten Außen­an­la­ge“. Com­pu­ter-Bil­der, ganz toll. „Alles wird sehr exklu­siv“, sagt Herr Ben­der. Er sagt es mehr­mals. Es scheint ihm wirk­lich zu gefal­len.

Für den Mak­ler ist es gar kei­ne Fra­ge: „GG Immo­bi­li­en“ ist seit vie­len Jah­ren am Markt tätig, es ist ein sehr erfolg­rei­ches Unter­neh­men, „das kön­nen Sie mir glau­ben.“ Benannt sei die Fir­ma nach ihren Gesell­schaf­tern: „Herr Gnja­to­vic und Herr Galic“. Bei­de, auch das beteu­ert Herr Ben­der mit Nach­druck, sei­en seit vie­len Jah­ren im Geschäft, „Herr Gnja­to­vic seit min­des­tens zehn Jah­ren“. Und bei­de Män­ner, Herr Ben­der wie­der­holt auch das mehr­fach, sei­en „unglaub­lich erfolg­reich, das kön­nen Sie mir glau­ben“.

Der jun­ge Mak­ler läuft Gefahr, sich dem Vor­wurf des nicht ganz kor­rek­ten Infor­mie­rens aus­zu­set­zen. Denn die Wahr­heit ist: Die „GG Immo­bi­li­en“ ist mit­nich­ten seit vie­len Jah­ren am Markt tätig, und so rich­tig erfolg­reich ist das Unter­neh­men schon gar nicht.

Die Fir­ma besteht seit 2008. Der eine Besit­zer, Herr Sasa (oder, wie er sich auch ger­ne nen­nen lässt: „Sascha“) Gnja­to­vic, der laut Mak­ler Ben­der seit min­des­tens zehn Jah­ren erfolg­reich im Geschäft sei, ist gera­de mal 32 Jah­re alt. Als Wohn­adres­se gibt er Frank­furt an.

Der ande­re Besit­zer von „GG Immo­bi­li­en“ – nun, er heißt zwar tat­säch­lich Galic, wie Mak­ler Ben­der sag­te, ist aber kein „Herr“, son­dern eine Frau. Vor­na­me: Snez­ana. Frau Galic ist 43 Jah­re alt und wohnt in Schwal­bach am Stein­weg, mit­ten in einem Wohn­ge­biet. Unter die­ser Wohn­adres­se war die „GG Immo­bi­li­en GmbH“ bis vor kur­zem offi­zi­ell gemel­det.

Da wird man natür­lich schon ein biss­chen stut­zig, wenn sich ein Mak­ler der­art unprä­zi­se äußert. Zumal eine simp­le Rechen­auf­ga­be schon heu­te das ach so groß­ar­ti­ge Pro­jekt zum teu­ren Flop wer­den lässt: Herr Gnja­to­vic gab an, wie gesagt, zehn Mil­lio­nen im Fich­te­park ver­bud­deln und ver­bau­en zu wol­len. Rech­net mal alle Ver­kaufs­prei­se für die Woh­nun­gen und Häu­ser zusam­men, kommt man aller­dings nur auf eine Sum­me von 7,55 Mil­lio­nen Euro. Davon geht noch die Mak­ler­pro­vi­si­on ab, also Herr Ben­ders Ver­dienst, der’s unter einer sechs­stel­li­gen Sum­me kaum tun wird.

Unterm Strich wer­den, bei zehn Mil­lio­nen Ein­satz, am Ende min­des­tens drei Mil­lio­nen Euro in der Kas­se der „GG Immo­bi­li­en GmbH“ feh­len.

Es kann also, rein rech­ne­risch, nichts wer­den mit dem Fich­te­park. Mak­ler Ben­der lässt sich durch solch eine Rech­nung in sei­nen Ver­kaufs­ab­sich­ten kein biss­chen irri­tie­ren: „Das Pro­jekt steht, ist voll abge­si­chert, da müs­sen Sie sich kei­ne Sor­gen machen“, wischt er Beden­ken bei­sei­te. Er weiß noch nicht, dass er mit einem Jour­na­lis­ten spricht, plap­pert mun­ter wei­ter: „Dass mit den zehn Mil­lio­nen, das muss ja nicht unbe­dingt stim­men“, sagt er. „Das hat irgend­ein Repor­ter geschrie­ben, man muss nicht alles glau­ben, was die so schrei­ben.“

Ach so! Dafür sol­len wir wohl alles glau­ben, was uns ein Mak­ler erzählt, oder?

Auf der Suche nach den angeb­li­chen Erfol­gen der Fir­ma „GG Immo­bi­li­en“ wer­den wir lei­der nicht so recht fün­dig. Die GmbH wur­de im Janu­ar 2008 von einem Pär­chen aus Neu­stadt gegrün­det und hieß damals noch „Dis­kus Drei­hun­derts­te Betei­li­gungs- und Ver­wal­tungs-GmbH“. Schon einen Monat spä­ter kauf­ten Sasa Gnja­to­vic und Snez­ana Galic die GmbH, sie zahl­ten dafür 13 500 Euro, und sie leg­ten das Geld bar (!) auf den Tisch. Noch am glei­chen Tag gaben sie der Fir­ma vor einem Notar in Frank­furt einen neu­en Namen („GG Immo­bi­li­en GmbH“), änder­ten den Geschäfts­zweck (Immo­bi­li­en­ge­schäf­te usw.) und gaben einen neu­en Fir­men­sitz an (Schwal­bach, die Wohn­adres­se von Frau Galic).

Der Erfolg? Den Fir­men­un­ter­la­gen ist zu ent­neh­men, dass Gatic/Gnjatovic bis Ende 2010 noch nicht ein­mal ihre Gesell­schaf­ter­an­tei­le von 25 000 Euro voll ein­ge­bracht hat­ten. Ebbe in der Kas­se: Das Gut­ha­ben wur­de mit 2144,31 Euro ange­ge­ben, die Ver­bind­lich­kei­ten dage­gen betru­gen 865 714 Euro. Wirt­schafts­aus­kunftei­en emp­fah­len, den Kre­dit­rah­men für die GmbH auf 3500 Euro zu limi­tie­ren.

Fir­men­chef Sasa Gnja­to­vic, der sei­nen Namen auf sei­ner Fir­men-Home­page falsch schreibt („Gnjy­to­vic“), ist da schon erfolg­rei­cher – zumin­dest, was das Wech­seln von Fir­men angeht. In Frank­furt logier­te er in den letz­ten Jah­ren an der Arns­bur­ger Stra­ße, am Sand­weg, an der Kies­stra­ße, in der Hanau­er Land­stra­ße, in der Alten Main­zer Gas­se und in der Schmidt­stra­ße. Aktu­ell soll sei­ne Wohn­an­schrift Nibe­lun­gen­al­lee lau­ten. Der Mann war bzw. ist Gesell­schaf­ter bzw. Geschäfts­füh­rer von Fir­men wie Gauß GmbH, Main­Flat GmbH, Lord­ly GmbH, Lea­se back GmbH und Gato Finan­ce & Tra­ding GmbH… Nicht immer ging’s um Immo­bi­li­en, auch mal um Autos, Finan­zie­rung etc.

Sei­ne Mit­ge­sell­schaf­te­rin und Mit­ge­schäfts­füh­re­rin, Snez­ana Galic, grün­de­te 1999 das Immo­bi­li­en­bü­ro Acron GmbH in Sulz­bach. Dann die Maric Immo GmbH. Dann die Logo Immo­bi­li­en GmbH. Dann die Galic Immo­bi­li­en GmbH. Zuletzt, vor einem Jahr, erwarb sie erneut eine „Dis­kus GmbH“, dies­mal die „Dis­kus Drei­hun­dert­drei­und­sieb­zigs­te Betei­li­gungs- und Ver­wal­tungs- GmbH“. Frau Galic zahl­te wie­der 13 500 Euro, sie leg­te wie­der das Geld bar auf den Tisch – und benann­te die Fir­ma anschlie­ßend in „Par Part­ner Immo GmbH“ um.

Nichts dage­gen ein­zu­wen­den. Alles ganz legal. Aber ist solch ein undurch­schau­ba­res Fir­men­ge­wu­sel eigent­lich auch eine gute Basis für ein pri­va­tes Immo­bi­li­en­ge­schäft?

Mak­ler Ben­der hegt, das wird er nicht müde zu ver­si­chern, nicht den lei­ses­ten Zwei­fel an der Ehr­bar­keit von Herrn Gnja­to­vic (Frau Galic erwähnt er nicht ein ein­zi­ges Mal). Und über­haupt: Die Finan­zie­rung des Pro­jekts sei voll­stän­dig gesi­chert, eine Volks­bank stün­de hin­ter allem – was sol­le da noch pas­sie­ren? Und soll­te der Bau­trä­ger doch plei­te gehen: „Das kann Ihnen als Käu­fer doch egal sein!“, tönt Mak­ler Ben­der. „Die Pla­nung steht, die Bau­ge­neh­mi­gun­gen lie­gen vor, die Finan­zie­rung ist geklärt. Geht ‚GG Immo­bi­li­en’ plei­te, dann baut eben ein ande­rer wei­ter!“

Bei so viel Leicht­fü­ßig­keit wundert’s nicht, dass auch der Hoch­glanz­pro­spekt, den der Mak­ler vor­legt, die Stand­ort-Nach­tei­le des geplan­ten Fich­te­parks völ­lig uner­wähnt lässt. Kein Wort über die viel­be­fah­re­ne Zeils­hei­mer Stra­ße, die den Bau­platz an der einen Sei­te begrenzt, kein Wort zum gut fre­quen­tier­ten Sport­platz auf der ande­ren Grund­stücks­sei­te. Im Pro­spekt heißt so etwas: „ruhi­ge Stadt­rand­la­ge“.

Man muss Mak­ler Ben­der schon direkt dar­auf anspre­chen, aber dann ist auch die­ses Pro­blem ganz schnell kein Pro­blem mehr: Er wis­se „aus ver­läss­li­chen Quel­len“, sagt er, und er beugt sich über den Tisch vor, rich­tig kon­spi­ra­tiv: Also, er wis­se genau, dass der Sport­platz kei­ne Zukunft habe. Wenn eines Tages der Kunst­ra­sen auf­ge­braucht sei, kom­me er weg – „das war’s dann“.

Dass der Kunst­ra­sen dem­nächst neu auf­ge­tra­gen wer­den soll, sagt der Mak­ler nicht. Und auch nicht, dass so ein Kunst­ra­sen­platz min­des­tens 15 Jah­re hält…

Natür­lich haben wir auch Frau Galic und Herrn Gnja­to­vic um eine Stel­lung­nah­me gebe­ten. Es war nicht ganz ein­fach.

Frau Galic sag­te am Tele­fon, es gebe Refe­renz­ob­jek­te; die Adres­sen aber kön­ne sie nicht nen­nen: „Da bin ich lei­der über­fragt.“ Sie kön­ne auch nicht sagen, wie vie­le Häu­ser „GG-Immo­bi­li­en“ bereits gebaut hat („Das fällt mir im Augen­blick nicht ein“). Nicht ein­mal das Grün­dungs­jahr der Fir­ma kann­te sie („Das ist so lan­ge her, das kann ich aus dem Steg­reif nicht sagen“). Danach sag­te sie: „Ich sage jetzt gar nichts mehr.“ Und leg­te auf.

Zehn Minu­ten spä­ter ruft Herr Gnja­to­vic in der Redak­ti­on an. Er redet sehr schnell und sehr viel. Ja, er inves­tie­re zehn Mil­lio­nen, sagt er frei­mü­tig – um dann, auf Vor­halt, nach­zu­bes­sern: Viel­leicht sei­en es nur acht Mil­lio­nen, viel­leicht auch nur 6,5 Mil­lio­nen. Wenn die Zei­tung etwas ande­res geschrie­ben habe, dann habe der Repor­ter sicher nur auf­ge­run­det. Ande­rer­seits, sagt Herr Gnja­to­vic auch: Der Ver­kauf lau­fe so gut, er den­ke ernst­haft dar­über nach, die Ver­kaufs­prei­se zu erhö­hen…

Dass Frau Galic über Details nicht infor­miert sei, sagt Herr Gnja­to­vic, lie­ge dar­an, dass sie „nur die Buch­hal­tung und das Office macht“. Außer­dem besä­ßen er wie sie eine grö­ße­re Fir­men­grup­pe, da kön­ne man nicht alles immer parat haben. Die Namen sei­ner Fir­men, die woll­te er aller­dings nicht nen­nen, das gin­ge kei­nen was an, auch zu Umsatz­zah­len sage er nichts, kei­ne wei­te­ren Anga­ben.

Und ansons­ten, sag­te Herr Gnja­to­vic, ver­ste­he er über­haupt nicht, was all die Fra­gen sol­len.

Erschie­nen in der FNP am 21.06.2012

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