Hoch­ri­si­ko-Zocke­rei um Senio­ren-Anla­ge

In der klei­nen Gemein­de Gun­ters­blum wird seit etli­chen Jah­ren eine ziem­lich gro­ße Wohn­an­la­ge für älte­re Men­schen geplant. Ein ers­ter Inves­tor fühlt sich von der Orts­bür­ger­meis­te­rin zu Unrecht aus­ge­boo­tet: Er hat inzwi­schen bei Gericht eine 100.000-Euro-Klage ein­ge­reicht. Die Frau scheint das wenig zu beein­dru­cken: Sie will das Mil­lio­nen-Pro­jekt jetzt mit einem ande­ren Unter­neh­mer durch­zie­hen. Da aller­dings tun sich bei genaue­rem Hin­se­hen eini­ge Merk­wür­dig­kei­ten auf. Das könn­te noch gefähr­lich wer­den – vor allem sehr teu­er, nicht nur für Gun­ters­blum!

Am heu­ti­gen Mon­tag fin­det um 19 Uhr ein kon­spi­ra­tiv anmu­ten­des Tref­fen im Gun­ters­blu­mer Rat­haus statt. CDU-Orts­bür­ger­meis­te­rin Clau­dia Blä­si­us-Wirth hat aus­ge­such­te Rats­mit­glie­der ein­ge­la­den: Ihnen soll der Unter­neh­mer Andre­as Piwo­war­ski (62) umfas­send Aus­kunft geben – zu sei­ner Per­son, zu sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit und zu zwei Fir­men, mit denen er das Mil­lio­nen-Pro­jekt „Betreu­tes Woh­nen“ in Gun­ters­blum rea­li­sie­ren will.

Piwo­war­ski erzählt dar­über ganz unbe­darft: „Frau Blä­sisus-Wirth hat mir gesagt, sie habe sich eine Tak­tik für das Tref­fen aus­ge­dacht”, sagt er. „Erst soll mein Finanz­be­ra­ter etwas sagen, dann mein Sohn Dani­el, der bei mir als Immo­bi­li­en­mak­ler arbei­tet.“ Er selbst, sagt Piwo­war­ski, sol­le sich auf Wunsch der Orts­bür­ger­meis­te­rin zurück­neh­men: „Sie mein­te, ich soll nicht so viel reden. Ich hät­te für die Poli­ti­ker inzwi­schen den Schwar­zen Peter.“

Blick auf die rhein­hes­si­sche Gemein­de Gun­ters­blum.

Wir sind in Gun­ters­blum, in die­sem net­ten Wein-Dörf­chen in Rhein­hes­sen, wo man seit vie­len Jah­ren gro­ße Plä­ne für ein Haus für Senio­ren hat – und wo die Orts­bür­ger­meis­te­rin jetzt auf einen gefähr­li­chen Abgrund zusteu­ert. Es wird Zeit, dass alle Fak­ten auf den Tisch kom­men, jen­seits von Par­tei­en-Gezan­ke und -Gezer­re: Sonst könn­te am Ende gro­ßer Scha­den ent­ste­hen, nicht nur für die klei­ne Kom­mu­ne, son­dern auch für all jene, die im Ver­trau­en auf das gemeind­li­che Mit­wir­ken eine der Senio­ren-Woh­nun­gen erwer­ben wol­len.

Der Plan von CBW (so nennt sich die Orts­bür­ger­meis­te­rin ger­ne) ist inzwi­schen bekannt: Andre­as Piwo­war­ski soll mit den Fir­men AIVG mbH und LVVG mbH ein gemein­de­ei­ge­nes Grund­stück im Bau­ge­biet „Algers­weg West“ erwer­ben. Dann soll er dort 60 Woh­nun­gen für Betreu­tes Woh­nen errich­ten. Geschätz­te Kos­ten: sechs bis acht Mil­lio­nen Euro. Min­des­tens!

Weni­ger bekannt ist, wer die­ser Andre­as Piwo­war­ski ist. Und was den Mann qua­li­fi­ziert. Ist er wirk­lich der rich­ti­ge Unter­neh­mer für ein sol­ches Mil­lio­nen-Pro­jekt? Und wel­che Erfah­run­gen hat er mit den spe­zi­el­len Anfor­de­run­gen an das Bau­en und Betrei­ben von Senio­ren-Woh­nun­gen?

Eine wei­te­re Fra­ge stellt sich nach einem Blick ins Han­dels­re­gis­ter: Piwo­war­ski gehö­ren die Fir­men gar nicht, mit denen er bau­en will. Ja, er ist nicht ein­mal als Geschäfts­füh­rer ein­ge­tra­gen. Fra­ge also: Wer steckt wirk­lich hin­ter den Fir­men und dem angeb­li­chen Mil­lio­nen-Invest?

Wir haben dazu, Anfang letz­ter Woche war’s, der Orts­bür­ger­meis­te­rin eini­ge Fra­gen geschickt. Sie mel­de­te sich sofort, woll­te Ant­wor­ten aber nur in einem Gespräch geben.

Als wir CBW dar­auf­hin letz­ten Mitt­woch im Rat­haus tref­fen, gibt sie sich unbe­ein­druckt von Hin­wei­sen auf Unklar­hei­ten und Unstim­mig­kei­ten in der Dar­stel­lung des Inves­tors. Zu Fra­gen der Boni­tät von Herrn Piwo­war­ski und sei­nen angeb­li­chen Fir­men sagt sie, man habe einen Steu­er­fach­mann ein­ge­schal­tet: Der wür­de die Zah­len der Fir­men prü­fen..

Fra­ge: Gibt’s denn schon ers­te Erkennt­nis­se?

CBW: Nein, die Prü­fung lau­fe noch, das Ergeb­nis wer­de zu gege­be­ner Zeit vor­ge­legt.

Das ist merk­wür­dig! Wir haben die offi­zi­el­len Bilan­zen von AIVG und LVVG einem Steu­er­ex­per­ten vor­ge­legt. Der muss­te gar nicht lan­ge prü­fen – sei­ne Fest­stel­lung:

Die­se ‚Bilan­zen’ (er setz­te das Wort viel­sa­gend in Anfüh­rungs­zei­chen) kann man nicht wirk­lich ernst neh­men. Man kann nur hof­fen, dass die Fir­men bei ihren Bau­vor­ha­ben sorg­fäl­ti­ger vor­ge­hen.“

Senio­ren-Woh­nun­gen für teu­res Geld

Wäh­rend wir uns mit solch unschö­nen Erkennt­nis­sen aus­ein­an­der­set­zen, ver­sucht Piwo­war­ski offen­sicht­lich, Fak­ten zu schaf­fen: Er bie­tet die Senio­ren-Woh­nun­gen, die bis­her nur auf dem Papier exis­tie­ren, bereits zum Kauf an: im Inter­net, in Anzei­gen­blätt­chen, auf Pla­ka­ten, über eine Mak­le­rin. Die 48-Qua­drat­me­ter-But­ze soll 183.120 Euro, die 77-Qua­drat­me­ter-Woh­nung 281.880 Euro kos­ten. Macht einen Qua­drat­me­ter­preis von 3.600 bis 3800 Euro, was deut­lich über Gun­ters­blu­mer Durch­schnitt liegt.

Wer eine der Woh­nun­gen reser­vie­ren möch­te, muss 5000 Euro zah­len, sofort. Das Geld wer­de, heißt es, spä­ter auf den Kauf­preis ange­rech­net.

Obwohl ihm das Grund­stück noch gar nicht gehört, bie­tet Inves­tor Andre­as Piwo­war­ski die Senio­ren-Woh­nun­gen zum Kauf an.

Erst auf Nach­fra­ge räumt Piwo­war­ski ein: Das Grund­stück gehö­re ihm noch gar nicht, der Kauf­ver­trag mit der Gemein­de sei noch nicht unter­zeich­net. „Aber das ist kein Pro­blem“, sagt er auch. Die Gemein­de wer­de ihm das Grund­stück ver­kau­fen, garan­tiert, „das läuft wie geschmiert“: Der Ver­trag wer­de dem­nächst unter­zeich­net.

Dem­nächst? Was heißt schon „dem­nächst“ in Gun­ters­blum? Bis vor kur­zem war ein Wies­ba­de­ner Bau­un­ter­neh­mer der favo­ri­sier­te Inves­tor: Der Mann hat­te jah­re­lang mit der Gemein­de ver­han­delt, hat­te den frü­he­ren SPD-Land­rat als Bera­ter ins Boot geholt, hat­te die Pla­nung fer­tig, Bau­an­trä­ge bei den Behör­den ein­ge­reicht…

Dem­nächst” hät­ten die Bau­ar­bei­ten los­ge­hen sol­len. Doch dann platz­ten, im letz­ten Augen­blick, die Ver­hand­lun­gen. Aus. Vor­bei.

Der Archi­tekt fühlt sich heu­te von der CDU-Orts­bür­ger­meis­te­rin zu Unrecht aus­ge­boo­tet. Er hat des­halb Kla­ge beim Land­ge­richt Mainz ein­ge­reicht: Er will sei­ne Auf­wen­dun­gen von der Gemein­de erstat­tet haben.

Er ver­langt mehr als 100.000 Euro von Gun­ters­blum.

Orts­bür­ger­meis­te­rin gilt als bera­tungs­re­sis­tent

Es ist eine unse­li­ge Polit-Tri­lo­gie: In drei Orten, die anein­an­der­reiht wie Per­len einer Ket­te an der Bun­des­stra­ße B 9 lie­gen, sor­gen die Bür­ger­meis­ter für unschö­ne Nach­rich­ten.

Erst liegt da Nier­stein: Hier regiert CDU-Mann Tho­mas Gün­ther, der sich mit obsku­ren Chi­na-Fir­men-Erzäh­lun­gen zur Lach­num­mer gemacht hat, zumal dann auch noch auf­flog, dass er selbst Kas­se zu machen ver­sucht hat­te. Der­zeit pes­tet er in rüpel­haf­ter Wei­se gegen den SPD-Frak­ti­ons­chef im Ver­bands­ge­mein­de­rat. Immer wie­der unsäg­lich, die­ser Gün­ther, eigent­lich uner­träg­lich.

Direkt hin­ter Nier­stein liegt Oppen­heim. Die Klein­stadt wird in die Geschichts­bü­cher Rhein­hes­sens ein­ge­hen als Bei­spiel dafür, wie sich ein skru­pel­lo­ser Par­tei-Poli­ti­ker ein „zwar klei­nes, aber gänz­lich unter­tä­ni­ges und auch pro­fi­ta­bles Impe­ri­um“ (Schrift­stel­ler Frie­der Zim­mer­mann) auf­bau­en konn­te. Der Oppen­heim-Skan­dal: Die Herr­schaft des SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­cus Held ende­te im März, und das war für vie­le Bür­ger auch wie eine Befrei­ung. Doch wird die Stadt noch lan­ge an den Fol­gen des Trei­bens ihres Stadt­bür­ger­meis­ters zu lei­den haben, finan­zi­ell bestimmt, und wohl auch zwi­schen­mensch­lich.

Direkt nach Oppen­heim kommt, fährt man auf der B 9 wei­ter, die Gemein­de Gun­ters­blum. Die poli­ti­schen Ver­hält­nis­se hier sind offen: SPD und CDU sind gleich stark, im Orts­par­la­ment sind zudem die Frei­en Wäh­ler (FWG) und die Unab­hän­gi­ge Lis­te (ULG) ver­tre­ten. Es gibt kei­ne kla­re Mehr­heit, was Ent­schei­dungs­fin­dun­gen nicht ein­fach macht, jedoch ver­nunft­be­zo­ge­nen Beschlüs­sen den Weg ebnen könn­te.

Das Lei­nin­ger Schloss
in Gun­ters­blum beher­bergt das Rat­haus.

Bis Herbst 2015 war Rei­ner Schmitt (ULG) der ehren­amt­li­che Orts­bür­ger­meis­ter. Nach sei­nem uner­war­te­ten Tod, der Mann wur­de nur 65 Jah­re alt, über­nahm Clau­dia Blä­si­us-Wirth das Amt, eine selbst­be­wusst auf­tre­ten­de Frau, 56 ist sie, Mut­ter von drei Töch­tern. Beruf­lich macht sie ein wenig in Wer­bung, ein wenig in Wein – eine „Power­frau“, schmei­chel­te die Lokal­zei­tung, ihrem Ego wird’s gefal­len haben.

Rats­mit­glie­der sagen hin­ge­gen, her­aus­ra­gends­te Eigen­schaft von CBW sei ihre Bera­tungs­re­sis­tenz. Sie ste­he sich des­halb oft­mals selbst im Weg. In ihrer Unfä­hig­keit zur kri­ti­schen Selbst­re­fle­xi­on sei auch der wah­re Grund zu suchen, wes­halb aus den einst gut gemein­ten Plä­nen für älte­re Men­schen inzwi­schen ein Hoch­ri­si­ko-Pro­jekt für die gan­ze Gemein­de gewor­den sei.

Acht­sei­ti­ge Kla­ge­schrift liegt beim Land­ge­richt

Fan­gen wir an mit der ers­ten unan­ge­neh­men Geschich­te: die Hun­dert­tau­send-Euro-Kla­ge des Archi­tek­ten Rüdi­ger Con­ra­di. Der Bau­un­ter­neh­mer aus Gau-Bischofs­heim, der in Wies­ba­den sein Büro betreibt, gilt als erfah­re­ner Pro­jekt­ent­wick­ler. Mit sei­ner Fir­ma KTB plan­te er eine groß­zü­gi­ge Senio­ren­an­la­ge in Gun­ters­blum.

Acht Din-A4-Sei­ten umfasst die Kla­ge­schrift sei­nes Rechts­an­walts Dr. Jens Kol­ter (Wies­ba­den), die beim Land­ge­richt Mainz vor­liegt. In ihr fin­det sich die Chro­no­lo­gie der geplatz­ten Gun­ters­blum-Plä­ne:

2011 began­nen ers­te Gesprä­che mit Orts­bür­ger­meis­ter Schmitt: Con­ra­di woll­te ein Pfle­ge­heim mit angren­zen­dem Haus für Betreu­tes Woh­nen errich­ten – auf einem Grund­stück, das ihm die Gemein­de ver­kau­fen soll­te.

2012 gab der Gemein­de­rat grü­nes Licht, mit Ände­run­gen im Bebau­ungs­plan „Algers­weg West“ wur­den die bau­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen.

2013 gin­gen die Gesprä­che wei­ter. Gerulf Her­zog, der frü­he­re CDU-Land­rat des Krei­ses Mainz-Bin­gen, war als Bera­ter von Conradi/KTB stets anwe­send.

2014 leg­te Conradi/KTB ers­te kon­kre­te Plä­ne vor. Die Lokal­zei­tung jubi­lier­te: „Läuft alles nach Plan und wird zeit­nah ent­spre­chen­des Bau­recht geschaf­fen, könn­ten die Arbei­ten bereits im Früh­jahr nächs­ten Jah­res star­ten. Ein Jahr spä­ter sol­len dann die ers­ten Bewoh­ner ein­zie­hen.”

Im Mai 2015 wur­de der Bau­an­trag bei der Kreis­be­hör­de in Ingel­heim ein­ge­reicht. In der Kla­ge­schrift heißt es, Orts­bür­ger­meis­ter Schmitt habe auf schnellst­mög­li­che Rea­li­sie­rung gedrängt, „da er bereits eine Lis­te mit orts­an­säs­si­gen Anwär­tern für Plät­ze im geplan­ten Pfle­ge­heim vor­lie­gen hat­te“.

Im Juni 2015 beschloss der Gemein­de­rat, das Grund­stück in „Algers­weg West“ an Conradi/KTB zu ver­kau­fen.

Dann ver­starb, im Sep­tem­ber 2015, Rei­ner Schmitt.

Zur neu­en ehren­amt­li­chen Orts­bür­ger­meis­te­rin wur­de Clau­dia Blä­si­us-Wirth gewählt. Das Jahr 2016 hat gera­de begon­nen.

Wenig spä­ter kam das Senio­ren-Pro­jekt erst ins Sto­cken. Dann platz­te es.

Jah­re­lan­ge Pla­nung – alles umsonst

Zwar wur­de bei einem Oppen­hei­mer Notar noch der Ent­wurf eines Kauf­ver­tra­ges erstellt, wofür Con­ra­di 1.760,01 in Rech­nung gestellt wur­den. Zur Ver­trags­un­ter­zeich­nung aber kam es nicht mehr.

Ers­tes Pro­blem: Das im Bebau­ungs­plan aus­ge­wie­se­ne Grund­stück erwies sich angeb­lich als zu klein für ein Pfle­ge­heim plus Haus für Betreu­tes Woh­nen. Con­ra­di sagt heu­te, es habe Ein­ver­neh­men geherrscht, dort nur ein Pfle­ge­heim zu bau­en. Mit Schmitt und spä­ter auch mit Blä­si­us-Wirth sei nach einem ande­ren Grund­stück für Betreu­tes Woh­nen gesucht wor­den, ohne Erfolg.

Blä­si­us-Wirth dage­gen sagt heu­te, die Gemein­de habe im Bau­ge­biet „Algers­weg West” unbe­dingt Betreu­tes Woh­nen gewollt.

Zwei­ter Kon­flikt­punkt: Die Gemein­de hat­te ein Unter­neh­men aus Kai­sers­lau­tern mit der Erschlie­ßung des Bau­ge­bie­tes beauf­tragt. Das soll­te die Kos­ten für Stra­ßen, Kana­li­sa­ti­on usw. direkt bei den Grund­stücks­be­sit­zern ein­zie­hen.

Das Unter­neh­men ver­lang­te von Conradi/KTB als eine Art Vor­schuss 20 Pro­zent der Gesamt­kos­ten – rund 66.0000 Euro. Nach Beginn der Arbei­ten soll­te der Archi­tekt 14 Mona­te lang wei­te­re 20.000 Euro über­wei­sen, monat­lich.

Con­ra­di wies sol­che For­de­run­gen, wir sind jetzt im Jahr 2017, als „unver­schämt“ zurück. In einem Brand­brief an die Bür­ger­meis­te­rin schrieb er: Er sol­le bezah­len, „ohne dass es eine Sicher­stel­lung für uns gibt, dass die Erschlie­ßungs­maß­nah­me auch tat­säch­lich zu Ende geführt wird“. Im Ver­trag sei­en kei­ne Ter­mi­ne für Beginn und Abschluss der Arbei­ten ange­ge­ben: „Mit einer sol­chen Unge­wiss­heit auf der zeit­li­chen Schie­ne lässt sich kein Bau­vor­ha­ben pro­jek­tie­ren.“

CBW gibt sich jetzt ganz zuge­knöpft

Das Schrei­ben der Orts­bür­ger­meis­te­rin.

Es ging noch eine Wei­le hin und her, Juris­ten-Schrei­ben, Rat­haus-Gesprä­che – bis Clau­dia Blä­si­us-Wirth Schluss mach­te. Am 21. Sep­tem­ber 2017 schick­te sie Con­ra­di fol­gen­den Brief:

Die Orts­ge­mein­de ver­folgt das Ziel, im Neu­bau­ge­biet Betreu­tes Woh­nen anzu­sie­deln. Eine Kom­bi­na­ti­on mit einem Senio­ren­heim auf zwei gegen­über­lie­gen­den Flä­chen wur­de befür­wor­tet.

Da lei­der die­se Situa­ti­on in Kom­bi­na­ti­on nun lei­der nicht zustan­de kommt, nimmt die Orts­ge­mein­de Abstand von Ihrem Ange­bot ein Senio­ren­heim auf der Flä­che im Algers­weg West zu errich­ten. Fer­ner müs­sen wir ver­mer­ken, dass Ihrer­seits kein Ein­ver­neh­men im Ver­trags­ab­schluss der Kos­ten­er­stat­tungs­ver­ein­ba­rung mit dem Erschlie­ßungs­trä­ger her­ge­stellt wer­den konn­te.

Für die jah­re­lan­ge Beglei­tung in unse­rem o.g. Pro­zess möch­ten wir uns bei Ihnen und ihrem Unter­neh­men bedan­ken (…) Wir wün­schen Ihnen wei­ter­hin viel Erfolg bei all Ihren Unter­neh­mun­gen…”

Das war’s. Sechs, sie­ben Jah­re lan­ge Pla­nung – alles umsonst. Im Dezem­ber letz­ten Jah­res ver­such­te Con­ra­dis Anwalt noch, mit der Orts­bür­ger­meis­te­rin eine güt­li­che Eini­gung her­bei­zu­füh­ren. Ver­ge­bens. Dar­auf­hin reich­te er Kla­ge beim Land­ge­richt Mainz ein (Akten­zei­chen 4 O 63/18).

Con­ra­di bezif­fert sei­ne Aus­ga­ben auf 103.459,91 Euro. Er habe im Ver­trau­en auf fes­te Zusa­gen der Gemein­de gehan­delt, er will sein Geld zurück.

Soll­te es zu einem Gerichts­ver­fah­ren kom­men, wird über eine Fra­ge zu ent­schei­den sein: Hat die Gemein­de dem Inves­tor zu viel ver­spro­chen, liegt hier ein Fall von Amts­haf­tung vor? Wenn ja: Dann muss die Gemein­de die 100.000 Euro plus die gesam­ten Kos­ten des Ver­fah­rens tra­gen.

Wir frag­ten Frau Blä­si­us-Wirth, als wir sie jetzt tra­fen: Wie konn­te es dazu kom­men, dass die lang­jäh­ri­ge Zusam­men­ar­beit mit einem renom­mier­ten Inves­tor und erfah­re­nen Bau­trä­ger so schnell eska­lier­te?

CBW gab sich zuge­knöpft:: „Das ist ein lau­fen­des Ver­fah­ren. Dazu sage ich nichts.“

Mak­ler-Fotos sol­len als Refe­ren­zen die­nen

Nur kur­ze Zeit nach dem Bruch mit Con­ra­di prä­sen­tier­te CBW einen neu­en Inves­tor: Der Immo­bi­li­en-Unter­neh­mer Andre­as Piwo­war­ski zeig­te Inter­es­se, mit den Fir­men AIVG und LVVG das Mil­lio­nen-Pro­jekt zu rea­li­sie­ren.

Der Mann gab auch gewal­tig Gas: Er ließ von einem Archi­tek­ten inner­halb kür­zes­ter Zeit eine Anla­ge mit 60 Woh­nun­gen in zwei Häu­sern ent­wer­fen. Inzwi­schen bie­tet er die Woh­nun­gen, wie gesagt, längst zum Kauf an…

Kürz­lich wur­de die­ses Vor­ge­hen im Gemein­de­rat kri­tisch-nach­denk­lich hin­ter­fragt. SPD-Mit­glie­der wit­ter­ten ein inves­to­ren­ge­trie­be­nes Wohn­pro­jekt, in dem zu leben sich Gun­ters­blu­mer gar nicht leis­ten könn­ten. Die FWG dräng­te auf eine Über­prü­fung der Boni­tät des Inves­tors: Da wür­de es noch ein paar offe­ne Fra­gen geben…

Die Orts­bür­ger­meis­te­rin scheint von der­lei Zwei­feln völ­lig frei zu sein. Letz­ten Mitt­woch, bei unse­rem Gespräch im Rat­haus, ver­wies sie auf Refe­ren­zen, die ihr der Unter­neh­mer vor­ge­legt habe. Sie sag­te: „Herr Piwo­war­ski war in ganz Deutsch­land tätig, er hat Fotos gezeigt – das war über­zeu­gend.“

Fra­ge: Was waren das für Refe­ren­zen? Etwa die Fotos von Immo­bi­li­en, die auf der Web­sei­te der Fir­ma AIVG im Inter­net zu sehen sind?

CBW nickt.

Uuups, da war sie wohl etwas arg leicht­gläu­big! Wir wol­len sie ger­ne auf­klä­ren!

75-jäh­ri­ge Frau steht hin­ter Immo­bi­li­en­fir­men

Andre­as Piwo­war­ski hat – nach eige­ner Aus­kunft – im Auf­trag einer Bank Immo­bi­li­en in ganz Deutsch­land, die in die Zwangs­ver­stei­ge­rung gerutscht waren, an Inves­to­ren gebracht. Dann wur­de die Bank von einer ande­ren auf­ge­kauft, für ihn gab’s kei­ne Auf­trä­ge mehr. Er habe sich umge­hört und fest­ge­stellt, dass Betreu­tes Woh­nen ange­sagt sei. In die­ses Geschäft wol­le er jetzt ein­stei­gen: Gun­ters­blum sei sein ers­tes Pro­jekt.

Soweit die Dar­stel­lung von Herrn Piwo­war­ski, und es gibt kei­nen Grund, sie anzu­zwei­feln. Die Fotos im Inter­net zei­gen, das sagt er ganz offen, Objek­te, die er ver­mit­telt habe. Als Refe­ren­zen für den Bau einer Senio­ren-Wohn­an­la­ge dürf­ten sie ver­mut­lich kaum tau­gen.

Schau­en wir noch etwas genau­er hin, wird’s recht mys­te­ri­ös:

Piwo­war­ski will also mit den Fir­men AIVG mbH (ein­ge­tra­gen beim Amts­ge­richt Mainz unter HRB 6518) und LVVG mbH (AG Offen­bach, HRB 41753) sei­ne ers­te Senio­ren-Wohn­an­la­ge in Gun­ters­blum errich­ten. Doch im Han­dels­re­gis­ter fin­den wir sei­nen Namen nicht: Die bei­den Fir­men gehö­ren einer gewis­sen Ewa L., die als Gesell­schaf­te­rin und auch als Geschäfts­füh­re­rin ein­ge­tra­gen ist.

Ewa L. ist heu­te 75 Jah­re alt und lebt in einer Hoch­haus-Sied­lung in Mainz. Die­se Frau soll die wah­re Mil­lio­nen-Inves­to­rin von Gun­ters­blum sein?

Andre­as Piwo­war­ski sagt dazu: Ewa L. sei sei­ne Cou­si­ne. Sie habe die Fir­men gegrün­det. Er sei Gene­ral­be­voll­mäch­tig­ter bei der AIVG, sein Sohn Dani­el sei Gene­ral­be­voll­mäch­tig­ter bei der LVVG.

Gene­ral­be­voll­mäch­tig­ter? Was ist das?

Alles sei völ­lig kor­rekt, beteu­ert Piwo­war­ski, alles sei ver­trag­lich geklärt.

Das Büro der AIVG am Orts­rand von Kön­gern­heim.

Mag sein, dass eine sol­che Unter­neh­mens-Kon­struk­ti­on völ­lig rech­tens ist. Aber ganz sicher ist sie unge­wöhn­lich. Und sie wirkt auch nicht unbe­dingt ver­trau­ens­för­dernd. Denn natür­lich stellt sich die Fra­ge: Wenn Andre­as Piwo­war­ski seit Jah­ren für die Fir­men sei­ner Cou­si­ne feder­füh­rend erfolg­reich tätig war – war­um wur­de er nicht Anteils­eig­ner? War­um über­nahm er nicht zumin­dest die ope­ra­ti­ve Ver­ant­wor­tung als Geschäfts­füh­rer?

Er zuckt nur die Schul­tern: Das sei eben so…

Bilan­zen las­sen kei­ne erfolg­rei­che Tätig­keit erken­nen

Gut, dann schau­en wir uns die Bilan­zen der bei­den Unter­neh­men an. Und auch hier tun sich ganz schnell Fra­gen auf:

Die Zah­len ste­hen im kras­sen Wider­spruch zu den tol­len unter­neh­me­ri­schen Leis­tun­gen, die Andre­as Piwo­war­ski immer wie­der her­aus­stellt: Die Bilan­zen von AIVG und LVVG geben kei­ner­lei Hin­wei­se auf eine erfolg­rei­che wirt­schaft­li­che Tätig­keit.

Schlim­mer noch: Der Steu­er-Fach­mann, dem wir die Bilan­zen vor­le­gen, fin­det schon auf dem ers­ten Blick Rechen­feh­ler, feh­len­de Minus-Zei­chen…

Und das sol­len glaub­wür­di­ge Bewei­se sei­nes unter­neh­me­ri­schen Kön­nens und Wir­kens sein? Andre­as Piwo­war­ski scheint die Fra­ge nicht zu ver­ste­hen: „Wie mei­nen Sie das? Das sind doch nur Zah­len. Was sagen die schon aus?“

Ein paar Tage nach unse­rem Besuch in Kön­gern­heim, an die­sem Wochen­en­de, ruft Andre­as Piwo­war­ski an. Offen­bar ist ihm bewusst gewor­den, dass er Ein­blick gewährt hat in eine recht unor­tho­do­xe unter­neh­me­ri­sche Den­ke. Er möch­te nicht, sag­te er, dass über die Bilan­zen berich­tet wer­de. Er habe in ganz Rhein-Main-Gebiet gebaut, das müs­se rei­chen.

Aber er müss­te doch mal erklä­ren, sagen wir, war­um sich sein angeb­lich erfolg­rei­ches Wir­ken nicht in den Bilan­zen fin­de.

War­um, war­um?“ fragt er zurück. Er wirkt genervt, gereizt. Es gebe noch ande­re Fir­men, sagt er, das sei alles ganz anders, aber dazu wol­le er auf kei­nen Fall etwas sagen…

Inves­tor Nr. 2 stellt heik­le Bedin­gung

Bleibt zur Stun­de die Erkennt­nis: Clau­dia Blä­si­us-Wirth, die Orts­bür­ger­meis­te­rin, hat Gun­ters­blum in eine böse Zwick­müh­le geführt. Der ers­te Inves­tor ist ver­grault und klagt vor Gericht, er ver­langt 100.000 Euro.

Aber ist Inves­tor Nr. 2 – der übri­gens sagt, er habe schon 300.000 Euro inves­tiert (ohne Grund­stücks­ver­trag!) –  die rich­ti­ge Wahl?

Oder gibt es für Gun­ters­blum nur noch die­se eine Lösung: Augen zu und durch? Dem neu­en Inves­tor muss jetzt ver­traut wer­den, ganz egal was kommt…

Hohes Risi­ko!

Zumal Piwo­war­ski noch eine äußerst kri­ti­sche Bedin­gung stellt: Den Kauf­preis für das gemein­de­ei­ge­ne Grund­stück – er nennt 1,28 Mil­lio­nen Euro incl. Erschlie­ßung – kön­ne er erst dann an die Gemein­de über­wei­sen, wenn 30 Pro­zent der Woh­nun­gen ver­kauft sind. „Die­ser Punkt muss in den Grund­stücks-Kauf­ver­trag rein“, sagt er. „Erst wenn 18 Woh­nun­gen ver­kauft sind, wer­de ich das Geld über­wei­sen.“ Anders, sagt er auch las­se sich das Pro­jekt für ihn nicht rea­li­sie­ren.

Abwar­ten, was dazu die Rats­mit­glie­der sagen. Fest steht nur: Das Pro­jekt Betreu­tes Woh­nen scheint zur Hoch­ri­si­ko-Zocke­rei zu ver­kom­men – ganz gefähr­lich für Gun­ters­blum!

Poli­ti­ker & Pres­se­frei­heit: Mit Juris­ten gegen Jour­na­lis­ten

Wir kämp­fen mit uner­schro­cke­ner Recher­che, prä­zi­sen Fak­ten und klu­gen Gedan­ken. Unter ande­rem dafür, dass Kunst und Medi­en frei sind. Denn da wo man Gedan­ken nur des­halb die Frei­heit nimmt, weil sie einem nicht gefal­len, tut man das frü­her oder spä­ter auch mit den Men­schen.“

Das schrieb Dr. Mathi­as Döpf­ner, der Vor­stands­vor­sit­zen­de des Axel-Sprin­ger-Ver­la­ges und Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Zei­tungs­ver­le­ger, in einem Arti­kel über Deniz Yücel, jenem Jour­na­lis­ten, der mona­te­lang in der Tür­kei in U-Haft ein­saß, weil er nicht geschrie­ben hat­te, wie die Herr­schen­den von ihm ver­lang­ten.

In Rhein­hes­sen hat man, was die Frei­heit der Medi­en angeht, ganz eigen­ar­ti­ge Vor­stel­lun­gen. Wobei: „Man” ist natür­lich nicht rich­tig. Zu erle­ben war der Ver­such von Poli­ti­kern, die Pres­se­frei­heit mit Hil­fe will­fäh­ri­ger Juris­ten aus­zu­he­beln oder zumin­dest Jour­na­lis­ten mit Droh­brie­fen ein­zu­schüch­tern, bei der Bericht­erstat­tung über den „Oppen­heim-Skan­dal”.

Täter im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes: zwei Lokal­po­li­ti­ker – einer saß frü­her im rhein­land-pfäl­zi­schen Land­tag, der ande­re sitzt im Deut­schen Bun­des­tag, noch immer.

Mar­cus Held, der SPD-MdB, hat mehr­mals ver­sucht, die Bericht­erstat­tung über sei­ne Affä­ren als Oppen­hei­mer Stadt­bür­ger­meis­ter mit geziel­ten Falsch­dar­stel­lun­gen und unwah­ren Behaup­tun­gen zu ver­hin­dern. Er schreck­te nicht ein­mal vor per­sön­li­chen Dif­fa­mie­run­gen zurück. Als auch das nicht den erwünsch­ten Erfolg brach­te, schick­te er einen Ber­li­ner Anwalt vor. Einen mit Pro­fes­sor- und Dok­tor­ti­tel, was wohl Ein­druck schin­den soll­te, sich am Ende aber als Lach­num­mer erwies:  Der Mann ver­fass­te einen Schrift­satz in der­art dumpf-pöbeln­der Wei­se, dass Kol­le­gen von ihm schen­kel­klop­fend mut­maß­ten, Held habe dem Mann ver­mut­lich etwas zu viel des rhein­hes­si­schen Reben­saf­tes ein­ge­flößt.

In ähn­li­cher Wei­se reagier­te Tho­mas Gün­ther: Der war mal CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter in Rhein­land-Pfalz, ist heu­te Stadt­bür­ger­meis­ter im Oppen­hei­mer Nach­bar-Städt­chen Nier­stein. Von ihm heißt es, er sei der fes­ten Über­zeu­gung, dass Laut­stär­ke Argu­men­te erset­zen und wil­des Brül­len jeden Kri­ti­ker ein­schüch­tern kön­ne. Mag sein, dass dies manch­mal funk­tio­niert. In die­sem Fall aller­dings ver­sen­de­te sich sein Getö­se, wes­halb auch er einen Anwalt enga­gier­te. Und auch der schrieb einen lan­gen Brief, zwar nicht ganz so pöbel­an­tig wie sein Ber­li­ner Kol­le­ge, aber eben­so wenig erfolg­reich.

Der Ham­bur­ger Jour­na­lis­mus­for­scher Vol­ker Lili­en­thal hat in einem Inter­view mit dem Deutsch­land­funk gesagt, es sei seit Jah­ren die Ent­wick­lung zu beob­ach­ten, dass über Anwäl­te ver­sucht wer­de, Medi­en­be­rich­te abzu­stra­fen oder bereits im Keim zu ersti­cken. Ande­re Redak­tio­nen wür­den davon abge­schreckt, ein­zel­ne Jour­na­lis­ten ent­wi­ckel­ten eine Sche­re im Kopf und ver­zich­te­ten im Zwei­fel auf bestimm­te Behaup­tun­gen und Wer­tun­gen, um juris­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen aus dem Weg zu gehen. Die Fol­ge sei: „Bestimm­te Krei­se – Ver­ant­wort­li­che oder rich­ti­ge Mis­se­tä­ter – blei­ben dann unbe­hel­ligt von miss­lie­bi­ger Bericht­erstat­tung, sie müs­sen sich nicht mehr in der Öffent­lich­keit recht­fer­ti­gen.”

Es steht zu ver­mu­ten, dass sol­che Über­le­gun­gen Mar­cus Held wie auch Tho­mas Gün­ther lei­te­ten, als sie mit Juris­ten ver­such­ten, Kri­tik zu unter­drü­cken und Jour­na­lis­ten mund­tot zu machen.

Mar­cus Held: Lügen und Juris­ten pflas­tern sei­nen Weg

Im Juni 2017 hat­te ich erst­mals über den „Oppen­heim-Skan­dal” berich­tet. Anhand von ver­trau­li­chen Behör­den­pa­pie­ren und zahl­rei­chen Hin­wei­sen aus der Bevöl­ke­rung konn­te ich auf­de­cken, dass der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te als Stadt­bür­ger­meis­ter zahl­rei­che dubio­se und auch rechts­wid­ri­ge Geschäf­te getä­tigt hat­te – stets zu Las­ten der Stadt.

Held schoss zurück: In einem SPD-Stadt­ma­ga­zin, das er an alle Haus­hal­te ver­tei­len ließ, sprach er von einem „Angriff aus dem Hin­ter­halt”, von „kri­mi­nel­ler Ener­gie”, er schrieb von einem „bezahl­ten Jour­na­lis­ten” und einer „par­tei­po­li­tisch gesteu­er­ten Kam­pa­gne” gegen sei­ne Per­son.

Das war, wie wir heu­te wis­sen, alles unwahr, wir kön­nen auch sagen: Es war erfun­den und erlo­gen. Die Staats­an­walt­schaft hat inzwi­schen mehr als 20 Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen den SPD-Poli­ti­ker ein­ge­lei­tet, Poli­zei­be­am­te durch­such­ten das Oppen­hei­mer Rat­haus, es gab Mon­tags-Demos gegen den SPD-Poli­ti­ker, und im März 2018 trat er schließ­lich ange­sichts immer neu­er Vor­wür­fe und Ver­dachts­mo­men­te zurück. Als Stadt­bür­ger­meis­ter. Im Bun­des­tag blieb er sit­zen, genau­er: Er kas­siert seit Mona­ten sei­ne Diä­ten, aber tut nichts dafür. Er hat sich krank gemel­det.

Vor sei­nem Rück­zug aus allen loka­len Ämtern hat­te er ver­sucht, mich mit Hil­fe eines Medi­en­recht­lers zum Schwei­gen zu brin­gen. Doch der Ber­li­ner Jurist, den er enga­gier­te und dem als sicher­lich eine gewis­se  Erfah­rung zuzu­schrei­ben ist, fand offen­bar kei­nen Ansatz für ein Erfolg ver­spre­chen­des juris­ti­sches Vor­ge­hen. Statt­des­sen schrieb er für Mar­cus Held  einen Brief, wie ihn kaum ein seriö­ser Rechts­an­wäl­te jemals geschrie­ben haben dürf­ten. Es war, das dür­fen wir ver­mu­ten, eine bezahl­te Auf­trags­ar­beit: Held woll­te den Brief ver­öf­fent­li­chen – als wei­te­ren Ver­such, einen kri­ti­schen Jour­na­lis­ten zu ver­un­glimp­fen, unglaub­wür­dig zu machen und klein zu krie­gen.

Das Schrei­ben von Prof. Dr. Jan Hege­mann ver­öf­fent­lich­te Held in der nächs­ten Aus­ga­be sei­nes SPD-Stadt­ma­ga­zins. Wir doku­men­tie­ren es hier im Wort­laut:

Sehr geehr­ter Herr Held,

Sie haben mich gebe­ten zu prü­fen, ob wir mit Unter­las­sungs- ggf. auch Gegen­dar­stel­lungs- und Rich­tig­stel­lungs­an­sprü­chen gegen den Blogg des Jour­na­lis­ten Tho­mas Ruhmöl­ler vor­ge­hen kön­nen.

Mei­ne Ant­wort ist: Natür­lich kön­nen wir das! Ruhmöl­ler ver­letzt mit sei­ner Skan­dal­be­richt­erstat­tung durch­ge­hend die Regeln der jour­na­lis­ti­schen Sorg­falt und ver­stößt gegen die Anfor­de­run­gen an zuläs­si­ge Ver­dachts­be­richt­erstat­tung.

Gleich­wohl habe ich erheb­li­che Beden­ken, denn: Wem nutzt das? Ich bin mir ziem­lich sicher, dass Ruhmöl­ler für sei­ne Ruf­mord­kam­pa­gne von einer hin­ter ihm ste­hen­den Per­son bezahlt wird. Es dürf­te sich dabei um den Ver­fas­ser des anony­men Memo­ran­dums han­deln, mit dem der angeb­li­che , Oppen­heim Skan­dal” vor eini­gen Mona­ten los­ge­tre­ten wor­den ist. Ruhmöl­ler wird sich durch Durch­set­zung äuße­rungs­recht­li­cher Ver­bo­te nicht abschre­cken las­sen. Kos­ten, die ihm ent­ste­hen, wer­den ihm höchst­wahr­schein­lich erstat­tet. Er selbst und sein mut­maß­li­cher Auf­trag­ge­ber war­ten ver­mut­lich nur dar­auf, dass der Fall vor Gericht ver­han­delt wird.

Inzwi­schen prü­fen Lan­des­rech­nungs­hof und Staats­an­walt­schaft die gegen Sie erho­be­nen Vor­wür­fe. Mit bei­den Behör­den arbei­ten Sie zusam­men. Bei die­sen Prü­fun­gen soll­te man es mei­nes Erach­tens im Moment auch belas­sen und nicht Neben­schau­plät­ze vor Zivil­ge­rich­ten eröff­nen.

Man merkt den Ruhmöl­ler-Ela­bo­ra­ten den wüten­den und blin­den Ver­fol­gungs­ei­fer deut­lich an. Ich neh­me an, dass die aller­meis­ten Leser — wenn irgend­je­mand über­haupt lesend durch die­se Blei­wüs­ten wan­dern will — die Sache schon rich­tig ein­ord­nen: als ein­sei­ti­gen und par­tei­ischen Radau­jour­na­lis­mus.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Jan Hege­mann Rechts­an­walt

Was soll man dazu sagen? In der Sache war das nicht wei­ter ernst zu neh­men. Wenn es wirk­lich eine Ruf­mord­kam­pa­gne gege­ben hät­te, wenn ich wirk­lich gegen die die jour­na­lis­ti­sche Sorg­falts­pflicht ver­sto­ßen hät­te: Dann hät­te Hege­mann mich nach allen Regeln der Kunst zer­legt. Unter­las­sung, Gegen­dar­stel­lung, Scha­dens­er­satz – er hät­te die Waf­fen­kam­mer des Juris­ten geöff­net, er hät­te scharf geschos­sen – und das wäre, ganz bestimmt, das Aus des Oppen­heim-Skan­dal-Blogs gewe­sen.

So aber lag der Jurist völ­lig dane­ben – auch in einem wei­te­ren Punkt: Der Hege­mann-Aus­spruch „wenn irgend­je­mand über­haupt lesend durch die Blei­wüs­ten wan­dern will” soll­te ver­mut­lich die jour­na­lis­ti­sche Leis­tung her­ab­set­zen, als Blei­wüs­ten, die  kei­nen inter­es­sie­ren. Welch ein Irr­tum! Mit mehr als 350.000 Sei­ten­auf­ru­fen und über eine Mil­li­on Klicks dürf­te der Oppen­hei­mer Lokal­blog einer der erfolg­reichs­ten in ganz Deutsch­land sein, wenn nicht der erfolg­reichs­te.

Juris­ten-Dro­hun­gen gegen Stadt­ma­ga­zin

Ein Held­sches Medi­en­op­fer aber gab es doch! Es war im Früh­jahr 2017, als die ers­ten Vor­wür­fe gegen den SPD-Poli­ti­ker bekannt gewor­den waren: Behör­den­in­ter­ne Papie­re, von Whist­leb­lo­wern an die Öffent­lich­keit gebracht, beschul­dig­ten den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter unsau­be­rer Immo­bi­li­en-Geschäf­te. In „sei­ner” Lokal­zei­tung („All­ge­mei­ne Zei­tung Mainz”) durf­te Mar­cus Held die Ver­däch­ti­gun­gen (die sich spä­ter alle­samt als wahr her­aus­stell­ten) voll­um­fäng­lich zurück­wei­sen: „Jemand will mich zer­stö­ren” behaup­te­te er ein­fach, der Zei­tung war die­se frei erfun­de­ne Behaup­tung eine Über­schrift wert.

Das Worm­ser Stadt­ma­ga­zin „Wo!” zeig­te sich kri­ti­scher, schick­te Held einen Fra­gen­ka­ta­log – und bekam wenig spä­ter von Held-Anwalt Hege­mann per Mail mit­ge­teilt, „dass Ihre geplan­te Ver­öf­fent­li­chung mit der Durch­set­zung von Unter­las­sungs-, Gegen­dar­stel­lungs-, Rich­tig­stel­lungs- und auch Scha­den­er­satz­an­sprü­chen beant­wor­tet wer­den wür­de. Dazu soll­ten wir es nicht kom­men las­sen”.

Das Maga­zin ver­zich­te­te auf den geplan­ten Bei­trag, ver­ständ­lich, ist eine juris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung in der Regel mit hohen Kos­ten ver­bun­den. Dass Held mit allen Tricks arbei­te­te, wur­de von „Wo!”-Chefredakteur Frank Fischer spä­ter in einem Inter­net-Blog auf­ge­deckt:

In der Mitt­wochs­aus­ga­be unse­res Mit­be­wer­bers Nibe­lun­gen­ku­rier erschien auf der Titel­sei­te ein Arti­kel des Chef­re­dak­teurs Stef­fen Heu­mann mit der Über­schrift: „Ganz klar eine poli­ti­sche Atta­cke” – Mar­cus Held weist Anschul­di­gun­gen zurück und kün­digt Anzei­ge gegen den nun ent­tarn­ten Anony­mus an. Etwas sau­er stieß uns dabei fol­gen­der Satz auf: „Die unan­ge­mes­se­ne Art der Bericht­erstat­tung ohne die Refle­xi­on der Vor­wür­fe auf ihren tat­säch­li­chen Wahr­heits­ge­halt, habe ihn (Mar­cus Held, die Red.) auch dazu ver­an­lasst, gegen die geplan­te Bericht­erstat­tung in einem Stadt­ma­ga­zin eine einst­wei­li­ge Ver­fü­gung zu erwir­ken.“

Das ist so nicht rich­tig, uns lag näm­lich bis dato gar kei­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gung vor. Wie wir auf Nach­fra­ge von Helds Anwalt in Erfah­run­gen brin­gen konn­ten, habe man am Mon­tag­mor­gen vor­sorg­lich einen Antrag auf einst­wei­li­ge Ver­fü­gung gestellt, der aber kurz danach wie­der zurück­ge­zo­gen wur­de, weil sich bei­de Sei­ten auf einen gemein­sa­men, zeit­na­hen Ter­min eini­gen konn­ten. Dar­auf ange­spro­chen, dass er das zum Zeit­punkt des Gesprä­ches am Diens­tag­mit­tag mit dem Nibe­lun­gen­ku­rier längst hät­te wis­sen müs­sen, ent­schul­dig­te sich Held, dass der Redak­teur den Druck­stopp wohl falsch inter­pre­tiert hät­te. 

Tho­mas Gün­ther: Ein Rechts­an­walt versucht’s mit Auf­plus­te­rung

Ande­rer Ort – ande­rer Poli­ti­ker – glei­che Masche: Direkt neben Oppen­heim liegt das Städt­chen Nier­stein, und dort „regiert” der CDU-Bür­ger­meis­ter Tho­mas Gün­ther (der sich in bes­se­ren Zei­ten , das nur neben­bei, zu ger­ne Helds Nähe such­te ). Als ich über ihn kri­tisch berich­te­te, mach­te er’s wie Held: Er enga­gier­te einen Anwalt und ließ ihn einen bösen Brief schrei­ben. Doch außer Spe­sen nichts gewe­sen, auch die­se Atta­cke lief ins Lee­re.

Das war gesche­hen: Gün­ther hat­te der Lokal­pres­se in den Blog dik­tiert, er habe chi­ne­si­sche Fir­men gefun­den, die sich in Nier­stein ange­sie­delt hät­ten.

Was mich beim Lesen der Zei­tungs­be­rich­te stut­zig mach­te: Die Fir­men wur­den unter­schied­lich benannt. Klei­ne Feh­ler, ein­zel­ne Buch­sta­ben waren falsch – kann ja mal pas­sie­ren. In die­sem Fall aber war’s ein Signal: Hier stimmt was nicht. Und tat­säch­lich erga­ben ers­te Recher­chen schnell: Die Fir­men waren nicht im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen. Sie exis­tier­ten mit­hin nicht. Tho­mas Gün­ther hat­te wohl etwas zu dick auf­ge­tra­gen.

Kri­ti­sches Hin­ter­fra­gen sei­ner Wor­te und Taten ist der Mann offen­bar nicht gewohnt. Nach Erschei­nen des Berichts „Knall in Nier­stein: Wo sind nur die Chi­na-Fir­men” beauf­trag­te er umge­hend die Kanz­lei Gal­lois mit der Wahr­neh­mung sei­ner Inter­es­sen. Der Arbeits­recht­ler Oli­ver Trinkl über­nahm und schrieb im Auf­trag des Stadt­bür­ger­meis­ters einen Brief, der hier im Wort­laut doku­men­tiert wer­den soll. Auch hier wie­der: Etli­che For­mu­lie­run­gen sind als Auf­plus­te­rung eines Juris­ten zu wer­ten, der kei­ne recht­li­che Hand­ha­be sieht, gegen eine Bericht­erstat­tung vor­zu­ge­hen – eben weil sie kor­rekt ist. Und so steht auch die­ses Schrei­ben als typi­sches Bei­spiel dafür, wie ein Kom­mu­nal­po­li­ti­ker mit Hil­fe von Juris­ten ver­sucht, eine nicht geneh­me Bericht­erstat­tung zu unter­drü­cken und kri­ti­sche Jour­na­lis­ten mund­tot zu machen:

Sehr geehr­ter Herr Ruhmöl­ler,

hier­mit zei­gen wir an, dass wir den Bür­ger­meis­ter der Stadt Nier­stein, Herrn Tho­mas Gün­ther anwalt­lich ver­tre­ten. Auf uns lau­ten­de Voll­macht ist bei­ge­fügt.

In Ihrem Bei­trag „Knall in Nier­stein: Wo sind nur die Chi­na Fir­men?” vom 15.11.2017 äußern Sie auf Ihrer Web-Sei­te „Der Oppen­heim Skan­dal” die Ver­mu­tung, die Mit­tei­lung von Herrn Gün­ther, chi­ne­si­sche Fir­men woll­ten sich im Rhein-Selz -Park ansie­deln, sei falsch. Die ange­kün­dig­ten Fir­men wür­den näm­lich gar nicht exis­tie­ren. Dies schlie­ßen Sie dar­aus, dass die Fir­men im Han­dels­re­gis­ter des Amts­ge­richts Mainz nicht ein­ge­tra­gen sei­en. Auf die­sem Hin­ter­grund bezwei­feln Sie, dass die bei­den chi­ne­si­schen Fir­men, von denen Herr Gün­ther in der Öffent­lich­keit berich­tet hat­te, über­haupt gegrün­det sei­en. Zur Begrün­dung ihrer Behaup­tung füh­ren Sie aus, dass nach Beur­kun­dung des Gesell­schafts­ver­trags bei einem Notar die­ser die Anmel­dung an das Han­dels­re­gis­ter umge­hend vor­näh­me. Daher müß­te die Anmel­dung der bei­den Fir­men beim Han­dels­re­gis­ter des Amts­ge­richts Mainz bereits vor­lie­gen.

Damit kom­men Sie ihrer jour­na­lis­ti­scher Sorg­falts­pflicht nicht nach. Denn rich­tig ist, dass ein Notar die Anmel­dung an das Han­dels­re­gis­ter regel­mä­ßig erst voll­zieht, wenn ihm der Nach­weis vor­liegt, dass das Stamm­ka­pi­tal min­des­tens zur Hälf­te auf dem Fir­men­kon­to ein­ge­zahlt wor­den ist. Dazu muss das Bank­kon­to der Gesell­schaft eröff­net sein, was regel­mä­ßig erst nach der Grün­dung in Form der Beur­kun­dung des Gesell­schafts­ver­trags mög­lich ist. Fer­ner soll­te auch Ihnen bekannt sein, dass Über­wei­sun­gen aus dem außer­eu­ro­päi­schen Aus­land, ins­be­son­de­re aus der Volks­re­pu­blik Chi­na, auf deut­sche Bank­kon­ten aus tat­säch­li­chen und recht­li­chen Grün­den mit­un­ter etwas Zeit benö­ti­gen. Bei­spiels­wei­se sind die Bestim­mun­gen des Geld­wä­sche­ge­set­zes zu beach­ten.

Uns lie­gen sowohl voll­stän­di­ge Kopi­en der Grün­dungs­ur­kun­den bei­der Fir­men der Nota­rin Strö­mer vom 22.09.2017 vor, als auch Bele­ge, wonach das Stamm­ka­pi­tal und zwar schon in vol­ler Höhe von je 50.000,00 EUR auf den Bank­kon­ten die­ser bei­den Fir­men in Grün­dung am 17.11.2017 ein­ge­zahlt wor­den ist. Die Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter kann und wird also in Kür­ze vor­ge­nom­men wer­den.

Ihre Unter­stel­lung, die Tat­sa­che, dass bei dem Han­dels­re­gis­ter noch nichts dar­über bekannt sei, las­se dar­auf schlie­ßen, dass es die Fir­men nicht gäbe, ist also grob falsch und irre­füh­rend. Rich­tig ist zwar, dass eine GmbH kon­sti­tu­tiv erst mit Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter ent­steht. Vor der Ein­tra­gung gibt es die Gesell­schaft jedoch schon im Grün­dungs­sta­di­um, was im Rechts­ver­kehr mit dem Zusatz „i.Gr.” in abge­kürz­ter Form bezeich­net wird.

Rich­tig ist des Wei­te­ren, dass die nor­ma­le Zeit­dau­er der Grün­dung und Regis­trie­rung einer deut­schen GmbH, deren Gesell­schaf­ter chi­ne­si­sche Inves­to­ren sind, auch im vor­lie­gen­den Fall nicht unge­wöhn­lich lan­ge gedau­ert hat, so dass ihre Schlüs­se, Herr Gün­ther sage in der Öffent­lich­keit die Unwahr­heit, wenn er von chi­ne­si­schen Inves­to­ren berich­te, schlicht falsch sind.

Ihr Arti­kel „Knall in Nier­stein: Wo sind nur die Chi­na Fir­men” erschöpft sich also in einer rei­ße­risch dar­ge­brach­ten, blo­ße Ver­mu­tung Ihrer­seits, die jeg­li­ches jour­na­lis­ti­sche Niveau ver­mis­sen lässt und offen­bar nur dazu die­nen soll, Herrn Tho­mas Gün­ther in der Öffent­lich­keit zu dis­kre­di­tie­ren. Durch eine sorg­fäl­ti­ge Recher­che hät­te sich das ver­mei­den las­sen.

Da wir davon aus­ge­hen, dass Sie, weil der Vor­gang Ihnen an und für sich sehr unan­ge­nehm sein müss­te, umge­hend eine Rich­tig­stel­lung auf Ihrem Blog im Inter­net vor­neh­men, wol­len wir momen­tan davon abse­hen, eine förm­li­che Gegen­dar­stel­lung zu ver­lan­gen. Das bleibt aber vor­be­hal­ten. Eine Ent­schul­di­gung Ihrer­seits bei Herrn Gün­ther kann man zwar nicht juris­tisch durch­set­zen, wäre aber wohl ange­zeigt und ein Gebot des Anstands.

Wei­te­re schlecht recher­chier­te Tat­sa­chen und Ver­mu­tun­gen tau­chen in Ihrem „Wochen-Rück­blick: Oppen­heim scheint auf­ge­wacht” auf. So hat­te Herr Gün­ther nie behaup­tet, „alles”, also auch eine Fach­hoch­schu­le sei „nota­ri­ell unter Dach und Fach”. Hier war immer nur von Absich­ten des Inves­tors die Rede, eine sol­che Fach­hoch­schu­le zu grün­den. Herrn Gün­ther hat es auch nicht „umge­hau­en”, als er Ihre schlecht recher­chier­ten Arti­kel über ihn und die angeb­li­che Nicht­exis­tenz chi­ne­si­scher Inves­to­ren zu lesen bekam. Er war zu Recht echauf­fiert, wie man sol­che unbe­grün­de­ten Behaup­tun­gen und blo­ße Ver­mu­tun­gen, die auf unzu­rei­chen­der und lücken­haf­ter Recher­che von übli­chen Ver­wal­tungs­vor­gän­gen resul­tie­ren, ins Inter­net set­zen und sich damit, wie Sie das tun, auch noch brüs­ten kann. An der Ver­samm­lung des CDU Ver­bands Rhein-Selz hat er schlicht wegen einer Erkäl­tung nicht teil­ge­nom­men.

Grund­stücks­kauf­ver­trä­ge zwi­schen Inves­to­ren und dem Eigen­tü­mer der Grund­stü­cke wer­den auch nicht der Ver­bands­ge­mein­de zum Zwe­cke der Prü­fung, ob ein Vor­kaufs­recht exis­tiert, vor­ge­legt, son­dern der Gemein­de oder Stadt selbst, das nur neben­bei.

Soll­ten Sie wie­der­holt ehren­rüh­ri­ge Behaup­tun­gen über Herrn Gün­ther ver­öf­fent­li­chen, die auf sol­chen blo­ßen Ver­mu­tun­gen und unrich­ti­gen Schluss­fol­ge­run­gen beru­hen, sind wir bereits jetzt dazu beauf­tragt, recht­li­che Schrit­te gegen Sie ein­zu­lei­ten.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Rechts­an­walt Trinkl

Epi­log

Dr. Katha­ri­na Bar­ley – sie ist Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin in Ber­lin, von der SPD – hat unlängst zum Tag der Pres­se­frei­heit gesagt:

Atta­cken gegen die freie Pres­se sind ein Fron­tal­an­griff auf die Grund­la­gen unse­res Zusam­men­le­bens in Frie­den, Sicher­heit und Frei­heit. Unsach­li­che Medi­en­schel­te ist dabei oft auch nur die trau­ri­ge Vor­stu­fe zur Ein­schüch­te­rung von Medi­en­schaf­fen­den und zu kör­per­li­cher Gewalt gegen Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten, die ein­fach nur gewis­sen­haft ihre Arbeit tun. (…) Ohne eine freie und unab­hän­gi­ge Pres­se kann kein demo­kra­ti­scher Rechts­staat funk­tio­nie­ren: Alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger müs­sen die Mög­lich­keit haben, Poli­tik und Welt­ge­sche­hen von Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten erklärt und ein­ge­ord­net zu bekom­men. Ihre Bericht­erstat­tung ist eine wert­vol­le Ergän­zung und auch ein wich­ti­ges Kor­rek­tiv für eige­ne Beob­ach­tun­gen und per­sön­li­che Ansich­ten.

Ihre Wor­te in die Ohren der rhein­hes­si­schen Poli­ti­ker, zuvör­derst Mar­cus Held und Tho­mas Gün­ther!