Rück­kehr einer Prin­zes­sin

Als Prin­zes­sin aus dem Kon­go hat sie vor drei Jah­ren der fei­nen Gesell­schaft in Frank­furt ganz schön den Kopf ver­dreht. Dann, nach einer Spen­den­af­fä­re, ver­schwand Odet­te Manie­ma Krem­pin in der Ver­sen­kung. Jetzt aber ist sie wie­der auf­ge­taucht – und hat, wie’s scheint, geschäft­lich ziem­lich gut Fuß gefasst.

Frank­furt. Erin­nern Sie sich noch an Prin­zes­sin Odet­te Manie­ma Krem­pin? An die­se exo­ti­sche Schön­heit, die mit strah­len­dem Dau­er­lä­cheln Frank­furts höchs­te Gesell­schafts­krei­se bezirz­te und ver­zau­ber­te? Die als Hono­rar­kon­su­lin aus dem Kon­go auf­trat, sich aller­or­ten als Wohl­tä­te­rin gerier­te und dank eif­ri­gem Spen­den­sam­meln ach so viel Gutes tun konn­te?

Inner­halb weni­ger Mona­te hat­te sich die schwarz­häu­ti­ge Blau­blü­ti­ge, drei Jah­re ist’s jetzt her, in die lich­ten Sphä­ren der Haute­vo­lee vom Main kata­pul­tiert. Wesent­lich schnel­ler, näm­lich bin­nen weni­ger Tage, wur­de sie dar­aus wie­der ver­sto­ßen: Zwei­fel an ihrer Groß­her­zig­keit waren auf­ge­taucht, zu vie­le Fra­gen nach dem Ver­bleib der Spen­den blie­ben unbe­ant­wor­tet. War sie über­haupt eine ech­te Prin­zes­sin? Oder nicht doch nur eine bil­li­ge Abzo­cke­rin?

Die Staats­an­walt­schaft lei­te­te sei­ner­zeit ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen sie ein, und tout Frank­furt straf­te die Frau umge­hend mit ver­ächt­li­cher Nicht­be­ach­tung ab. Zwar wur­de die aus­ge­spro­chen gut­aus­se­hen­de Kon­go­le­sin noch auf eini­gen Par­tys gese­hen, doch da stand sie meist am Ran­de, allein. Wer gibt sich schon mit „so einer“ ab?

Das wird sich jetzt ganz schnell wie­der ändern, wet­ten das…?

Denn die Prin­zes­sin ist zurück. Im grau­en Por­sche Cayenne oder wahl­wei­se im dun­kel­blau­en 7er BMW düst sie mor­gens in ihr neu­es Fir­men­do­mi­zil. Der Auf­zug benö­tigt 25 Sekun­den: Im zwan­zigs­ten Stock­werk des FBC-Hoch­hau­ses an der Main­zer Land­stra­ße hat sie gleich meh­re­re Büros ange­mie­tet. „Somi­ma“ steht auf dem Fir­men­schild. Für sich selbst hat die Prin­zes­sin den stol­zes­ten Titel reser­viert: „Exe­cu­ti­ve Chair­wo­man“. Zu deutsch: Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de.

Die neue Sto­ry der „Princes­se Manie­ma Krem­pin“ (so steht’s in ihrem kon­go­le­si­schen Rei­se­pass) klingt in der Kurz-Ver­si­on so:

Vor zwei Jah­ren habe sie von ihrem Vater das fami­li­en­ei­ge­ne Berg­werk „Somi­ma“ im Kon­go über­tra­gen bekom­men. Dort wür­den sehr sel­te­ne, gleich­wohl welt­weit gefrag­te und des­halb äußerst wert­vol­le Mine­ra­li­en abge­baut. Bis­lang habe man die­se Roh­stof­fe nur in den asia­ti­schen Raum expor­tie­ren kön­nen. Sie wer­de jetzt von ihrem Frank­fur­ter „Head­quar­ter“ aus dafür sor­gen, dass „Somi­ma“ welt­weit agie­ren kön­ne.

Es heißt, es sei ein Mil­lio­nen­ge­schäft. Die Prin­zes­sin zeigt uns wie­der ihr strah­lends­tes Lächeln.

An die­ser Stel­le ist eine klei­ne Exkur­si­on in den Kon­go von­nö­ten: Der zen­tral­afri­ka­ni­sche Staat (über sechs­mal so groß wie Deutsch­land, 70 Mil­lio­nen Ein­woh­ner) ver­fügt über rie­si­ge Boden­schät­ze – dar­un­ter Col­tan, Kas­si­te­rit und Wolf­ramit, die von größ­ter öko­no­mi­scher und stra­te­gi­scher Bedeu­tung sind. Aus Col­tan zum Bei­spiel wird Tan­tal gewon­nen – ohne die­ses Metall könn­te unse­re High­tech-Indus­trie nicht die win­zi­gen Kon­den­sa­to­ren pro­du­zie­ren, die in Han­dys und Com­pu­tern benö­tigt wer­den.

Um die Boden­schät­ze im Kon­go wer­den seit Jahr­zehn­ten krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen geführt. Aus­plün­de­run­gen und Ver­wüs­tun­gen, Ent­eig­nun­gen und Ver­trei­bun­gen haben das Land weit­ge­hend rui­niert. Die Berg­wer­ke ver­ka­men im blu­ti­gen Cha­os, mit dem Ver­kauf der Mine­ra­li­en finan­zier­ten die Kon­flikt­par­tei­en immer neue krie­ge­ri­sche Exzes­se.

Inzwi­schen sind die „Blut­mi­ne­ra­li­en“ inter­na­tio­nal geäch­tet. Die USA erlie­ßen 2010 ein Gesetz, das Unter­neh­men ver­pflich­tet, den Ursprung ihrer Roh­stof­fe nach­zu­wei­sen. Die Orga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung und Zusam­men­ar­beit (OECD) ent­wi­ckel­te Richt­li­ni­en, die hel­fen sol­len, die Her­kunft der Mine­ra­li­en zu kon­trol­lie­ren. Der inter­na­tio­na­le Inter­es­sen­ver­band der Zin­nin­dus­trie (ITRI) ent­warf ein Pro­gramm, das die Rück­ver­folg­bar­keit der Mine­ra­li­en mög­lich machen soll.

Ziel aller Maß­nah­men: Blut­mi­ne­ra­li­en aus Minen der Mili­zen sol­len geäch­tet blei­ben. Roh­stof­fe aus staat­lich lizen­sier­tem Berg­bau dage­gen sol­len in den Han­del gelan­gen dür­fen.

Und da sind wir wie­der bei Prin­zes­sin Odet­te und ihrer neu­es­ten, wirk­lich bemer­kens­wer­ten Sto­ry: „2010 war ich zu Besuch bei mei­ner Fami­lie im Kon­go. Mein Vater über­leg­te gera­de, sich zur Ruhe zu set­zen. Ich habe ange­bo­ten, unse­re Fami­li­en-Mine zu über­neh­men – und er hat zuge­stimmt.“

Nun gestal­ten sich die gesell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Spiel­re­geln in dem afri­ka­ni­schen Land zwei­fels­oh­ne etwas anders als bei uns. Dass aber eine 36-jäh­ri­ge Prin­zes­sin, die von sich selbst sagt, sie habe „noch nie im Leben rich­tig gear­bei­tet“, und die als Hob­bys „Shop­pen in Paris und in der Goe­the­stra­ße“ angibt, dass also die­se jun­ge Frau mal eben so ein glo­bal ope­rie­ren­des Unter­neh­men über­nimmt: Das darf uns doch stau­nen las­sen, oder?

Kein Pro­blem für die Prin­zes­sin. Im edlen Kos­tüm („Esca­da“) und rot­be­sohl­ten Extrem-High­heels („Chris­ti­an Lou­bou­tin“) gibt sie unge­rührt zu, abso­lut kei­ne Ahnung von Berg­bau zu haben. „Aber ich habe gute Inge­nieu­re und sehr gute Bera­ter.“ Mit ihnen habe sie als ers­tes dafür gesorgt, dass sich „Somi­ma“ den Bedin­gun­gen von OECD und ITRI unter­wirft.

Und wir haben es geschafft! Wir wur­den in den Welt­ver­band der Zin­nin­dus­trie auf­ge­nom­men. Jetzt dür­fen wir welt­weit han­deln.“ Man füh­re bereits mit meh­re­ren Kon­zer­nen Gesprä­che.

Es geht, wie gesagt, um Mil­lio­nen. Es geht wahr­schein­lich sogar um sehr, sehr vie­le Mil­lio­nen.

Was aber war das dann nur – das müs­sen wir doch noch ein wenig auf­ar­bei­ten – mit die­ser unschö­nen Spen­den­ge­schich­te vor drei Jah­ren?

Da ver­schwin­det das Lächeln aus ihrem hüb­schen Gesicht. „Das war ein Tsu­na­mi, der mich fast umge­bracht hät­te“, sagt sie lei­se. Sie habe nur Gutes tun wol­len, habe sich mit ihrem Ver­ein „Deutsch-afri­ka­ni­sches Jugend­werk“ für arme Kin­der in Frank­furt ein­set­zen wol­len.

Sicher­lich, sie habe Feh­ler gemacht, sie habe wohl nicht so sorg­fäl­tig Buch geführt, „wie das in Deutsch­land üblich ist“. Aber: „Ich habe nicht einen Cent ver­un­treut.“ Da hat sie völ­lig recht: Schrift­lich bestä­tig­te ihr die Staats­an­walt­schaft, dass das Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen sie (Az 3690 Js 261396/09) ein­ge­stellt wor­den sei. Und zwar ohne Wenn und Aber.

Sie wer­de sich, sagt Prin­zes­sin Odet­te, wei­ter­hin für wohl­tä­ti­ge Zwe­cke enga­gie­ren, „das sagt mir mein Herz: Ich habe so viel Glück im Leben gehabt, mir geht es so unend­lich gut – davon möch­te ich ger­ne abge­ben.“ Aber nie, nie wie­der wer­de sie Geld für gute Zwe­cke von ande­ren Men­schen anneh­men. „Ich habe gelernt.“

Es ist nicht immer ganz ein­fach, den Geschich­ten der Prin­zes­sin Glau­ben zu schen­ken. Was hat sie uns nicht schon alles erzählt!

Sie betrei­be in Kon­go und in Nami­bia Desi­gner-Ate­liers mit mehr als hun­dert Mit­ar­bei­tern, berich­te­te die FAZ, sie desi­gne sogar gele­gent­lich selbst, „aber nur noch für ganz wich­ti­ge Kun­den“.

Die „Ber­li­ner Zei­tung“ ver­mel­de­te, dass sie in der Haupt­stadt eine Mode­schu­le auf­ma­chen wol­le, weil sie mit­tel­lo­sen jun­gen Men­schen eine Chan­ce geben wol­le.

Bild“ topp­te wie­der alles: Sie habe von ihren Eltern im Kon­go eine Gold­mi­ne geerbt, die wol­le sie dem armen Volk schen­ken.

Prin­zes­sin Odet­te Manie­ma Krem­pin, einst ver­hei­ra­tet mit einem GTZ-Mit­ar­bei­ter (daher ihr Nach­na­me), zuletzt liiert mit einem Frank­fur­ter Bank­chef („er woll­te immer, dass ich für ihn koche, des­halb habe ich mich von ihm getrennt“), lebt heu­te in Pre­un­ges­heim. Ein net­tes Ein­fa­mi­li­en­haus, mit Gar­ten, ganz unauf­fäl­lig. Ihr Sohn aus ers­ter Ehe besucht ein hes­si­sches Inter­nat, ihr Adop­tiv­sohn aus dem Kon­go geht auf eine bel­gi­sche Schu­le. Sie spricht mehr als ein hal­bes Dut­zend Spra­chen (Deutsch, Eng­lisch, Fran­zö­sisch, Ita­lie­nisch, Por­tu­gie­sisch, Linga­la, Kikon­go und Swa­hi­li).

Laut Aus­weis ist sie 1976 gebo­ren. Stand da vor drei Jah­ren nicht noch 1973 als Geburts­jahr? Das sei ein Feh­ler gewe­sen, sagt sie, den ihr Vater ver­ur­sacht habe: Als er sie als klei­nes Kind erst­mals mit nach Paris neh­men woll­te, sei sie zu jung gewe­sen, die Behör­den hät­ten die Rei­se nicht erlaubt, also habe der Vater sie ein­fach älter gemacht. Tat­sa­che sei, dass sie heu­te 36 sei. Tat­säch­lich wur­de im Aus­weis das Geburts­da­tum ent­spre­chend geän­dert.

Noch mehr aus dem Leben der Prin­zes­sin? Ihr Groß­va­ter, so erzählt sie ger­ne, hieß Nyimi Mbop Mabi­inc maM­be­ky und sei König vom Kon­go gewe­sen, wes­halb sie natür­lich eine Prin­zes­sin sei. Sie selbst sei in Frank­reich auf­ge­wach­sen, der Lie­be wegen nach Frank­furt gezo­gen – und jetzt, nun ja, besit­ze sie eben die fami­li­en­ei­ge­ne Mine und müs­se, wie gesagt, zum ers­ten Mal in ihrem Leben arbei­ten.

Da strahlt sie wie­der, die Prin­zes­sin. Es läuft doch alles ganz präch­tig! Letz­te Woche war die Schwes­ter des kon­go­le­si­schen Staats­prä­si­den­ten Kabi­la bei ihr zu Besuch, und auch die Ehe­frau des Gou­ver­neurs. Die Damen hät­ten in Frank­furt ein paar Autos kau­fen wol­len. Hät­ten sich für BMW X 5 ent­schie­den, Grund­preis 55.000 Euro, man wün­sche aber noch Pan­zer­glas, das brau­che man im Kon­go. Ver­mut­lich sechs Fahr­zeu­ge wol­le man bestel­len, war­te jetzt auf ein Ange­bot des Auto­hau­ses.

Es wer­de dem­nächst öfter hoch­ran­gi­ger Besuch nach Frank­furt kom­men, sagt die Prin­zes­sin auch. Wes­halb sie per Annon­ce einen Chauf­feur für ihr „Head­quar­ter“ suche. Aber erst­mal flie­ge sie jetzt selbst in den Kon­go, geschäft­lich, natür­lich. Sechs Body­guards, dar­un­ter ein ehe­ma­li­ger Beam­ter des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes, wür­den sie beglei­ten.

Als Prin­zes­sin muss man sicher immer sehr gut auf sich auf­pas­sen!

Erschie­nen in der FNP am 17.08.2012

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