Gefeu­er­ter Ban­ker siegt vor Gericht

Sieg für einen Ban­ker – bit­te­re Nie­der­la­ge für die Hes­si­sche Lan­des­bank: Vor über einem Jahr hat­te sie mit faden­schei­ni­gen Begrün­dun­gen das Vor­stands­mit­glied frist­los gefeu­ert. Der Mann klag­te, bekam ges­tern vor Gericht umfas­send Recht.

Frank­furt. Der Vor­fall war den Hela­ba-Bos­sen mehr als pein­lich. Sie ver­tusch­ten ihn mona­te­lang, dann kam’s natür­lich doch raus:

Eine Emp­fangs­da­me in der Frank­fur­ter Hela­ba-Zen­tra­le war von der Poli­zei als Dro­gen­händ­le­rin ent­tarnt wor­den. Schlim­mer noch: Die Frau arbei­te­te im „Aller­hei­ligs­ten“ des Main Towers, in der Vor­stands­eta­ge im 47. Stock. Und dann kam auch noch – es war Anfang 2009 – die Kri­po ins Haus: Mit Haft­be­fehl! Und Durch­su­chungs­be­schluss!

Wenig spä­ter muss­te Ste­fan Bun­gar­ten gehen, heu­te 47 Jah­re alt, damals gera­de seit einem Jahr im Vor­stand. Der „Feh­ler“ des Top-Ban­kers: Er hat­te zwei Jah­re zuvor, da war er als Vor­stand noch nicht mal im Gespräch, kurz­zei­tig ein Ver­hält­nis mit der Emp­fangs­da­me gehabt. Weil die es einer Freun­din am Tele­fon erzähl­te, und weil die­ses Tele­fo­nat von der Kri­po mit­ge­hört wur­de, geriet Bun­gar­ten ins Visier der Fahn­der: Gegen ihn wur­de ermit­telt, es gab auch einen Durch­su­chungs­be­fehl – der Rechts­staat fuhr sein Arse­nal auf, pack­te es aber auch eben­so schnell wie­der ein, als fest­stand, dass der Mann mit der Dea­le­rin schon lan­ge nichts mehr und mit Dro­gen noch nie etwas zu tun hat­te.

Da aber hat­ten die Hela­ba-Ver­ant­wort­li­chen schon ihre Dau­men gesenkt. Knall auf Fall wur­de der Mana­ger gefeu­ert. Begrün­dung unter ande­rem: Er habe sich illoy­al ver­hal­ten, weil er die Hela­ba nicht umfas­send über sei­ne Bezie­hung zur Emp­fangs­da­me infor­miert habe.

Ein Jahr zog sich der Arbeits­pro­zess hin. Ges­tern fäll­te das Land­ge­richts das Urteil: Die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung sei nicht gerecht­fer­tigt gewe­sen. Bun­gar­ten kön­ne kei­ner­lei straf­ba­res Ver­hal­ten vor­ge­wor­fen wer­den. Er sei auch in kei­ner Wei­se ver­pflich­tet gewe­sen, sei­nem Arbeit­ge­ber Details aus sei­nem Pri­vat­le­ben zu offen­ba­ren. Die Hela­ba muss zudem 79 000 Euro Gehalt nach­zah­len (AZ 3–04 O 54/09).

Bun­gar­ten-Anwalt Dr. Georg Jäger zeig­te sich ges­tern erfreut über den kla­ren Rich­ter­spruch: „Dafür haben wir gekämpft.“ Hela­ba-Spre­cher Wolf­gang Kuß sag­te, man wer­de das Urteil genau prü­fen und dann über mög­li­che Rechts­mit­tel ent­schei­den.

Im Klar­text: Die Akte Bun­gar­ten ist noch nicht geschlos­sen. Soll­te die Bank in Beru­fung gehen, wird die Hela­ba-Affä­re wei­ter­ge­hen – bestimmt noch Mona­te, viel­leicht aber auch eini­ge Jah­re …

Erschie­nen in der FNP am 02.07.2010

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